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Altersarmut in Deutschland – Ursachen und Vorsorgemöglichkeiten

Trotz jahrelanger Arbeit erhalten viele Senioren nur eine minimale Rente, von der es sich kaum leben lässt. Frauen sind davon doppelt betroffen, denn die Rente von Frauen beträgt im Durchschnitt nur 53 Prozent der eines Mannes. Viele Rentner sehen sich gezwungen, ihr Einkommen durch Nebenjobs aufzustocken. Um Rentnern zu helfen, einen Nebenjob zu finden, gibt es mittlerweile spezielle Job-Plattformen – eine von diesen stellen wir vor. Wir gehen auf die Ursachen von Altersarmut ein, denn nur wer diese versteht, kann schon frühzeitig vorbeugen. Im letzten Teil dieses Beitrags gehen wir auf die politisch viel diskutierte Grundrente ein und erklären, warum Wohngeld ein passenderes Instrument ist, um Altersarmut zielgerichtet zu bekämpfen.


Warum sind besonders Frauen von Altersarmut betroffen und wie können sich Frauen jeden Alters davor schützen?



Es gibt mehrere Gründe für Altersarmut in Deutschland. Grundsätzlich gilt, dass die Rente davon abhängt, wie viel jemand eingezahlt hat. Das ist nur fair. Wer also wenig gearbeitet hat, darf sich später auch nicht wundern. Dass einige Jobs in Deutschland einen so geringen Verdienst und damit geringe Rentenanwartschaften bedeuten, das müsste von anderen Stellen gelöst werden. Sie können jedoch selbst zu einer guten Altersvorsorge beitragen, indem Sie sich der Risiken für Altersarmut bewusstwerden und gegensteuern. Die Hauptrisiken sind:

  • Gebrochene Erwerbsbiografie durch Kinderpause
  • Vorversterben des Partners, der u. U. jahrelang der Hauptverdiener war oder ist
  • Scheidung (insbesondere, wenn die Frau nicht erwerbstätig ist)
  • Alleinerziehend mit Kind(ern)
  • Nicht angepasstes Ausgabenverhalten und/oder fehlende Sparrate
  • Zu geringe Rendite der Sparanlagen und/oder Fehlinvestitionen

Sie gelten grundsätzlich natürlich für Männer und Frauen, jedoch betrifft gerade das Risiko „gebrochene Erwerbsbiografie“ besonders Frauen. Grund ist das oft noch gelebte traditionelle Rollensystem, in der die Frau eine längere Pause für die Kindererziehung macht.

Meine Tipps für Frauen: Kümmern Sie sich von Anfang an um Ihre Altersvorsorge und Ihre Absicherung. Nehmen Sie Ihr Geld in die Hand! Planen Sie Ausgaben und Einnahmen und vermeiden Sie Konsumschulden. Überlegen Sie sich gut, wie lange Ihre Job-Pause sein soll oder sein darf. Besprechen Sie mit Ihrem Partner, wie ein Ausgleich geschaffen werden kann. Gespräche über Geld sind in vielen Partnerschaften schwierig, ich glaube aber, sie sind ein Schlüssel zum Erfolg einer Partnerschaft.

Mit einer Risikolebensversicherung kann ein Paar das Risiko durch Verarmung bei Tod des Hauptverdieners gut absichern. Das kostet nicht viel und die Versicherung bekommt fast jeder.

Eignen Sie sich außerdem ausreichend Wissen an, um solide Finanzentscheidungen treffen zu können. Das ist viel leichter als gedacht und führt dazu, dass Sie das Risiko der zu geringen Rendite oder durch Fehlinvestitionen praktisch ausschalten können.

Stefanie Kühn, private Finanzplanung, Finanzberatung, Finanzcoaching

Stefanie Kühn, www.private-finanzplanung-kuehn.de

Wir bieten unseren Kunden schon seit 1999 eine unabhängige Finanzberatung zu ihren Geldanlagen, da wir keine Produkte verkaufen oder vermitteln, also auch keine Provision anstreben. Zu unserem Fachgebiet zählen die Finanzberatung, das Finanzcoaching und die Finanzplanung. Wir beraten, unterstützen und coachen Sie bei allen Ihren Fragen und Problemen rund um das Thema Geld. Unser Ziel ist es, Sie unabhängig und selbstständig bei Ihren Finanzen zu machen.


Was ist der Gender Pension Gap und was wird dagegen schon unternommen?


Unter dem Gender Pension Gap ist die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern zu verstehen. Im Rentenalter erhalten wir ein „Einkommen“ (die Rente), das sich aus drei Säulen zusammensetzt: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen und der privaten Alterssicherung. Dieses Renteneinkommen fällt bei Frauen deutlich (um 53 Prozent) geringer aus als bei Männern. Im Westen Deutschlands ist das Gefälle sogar noch größer, hier verdienen Rentnerinnen 58 Prozent weniger als Männer, im Osten Deutschlands beträgt der Renten-Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen „nur“ 28 Prozent. Schauen wir uns nur verheiratete Männer und Frauen im Rentenalter an, beläuft sich die Rentenlücke sogar auf über 60 Prozent. Das zeigt uns auch eine der Ursachen für die Rentenlücke: Vor allem im Westen Deutschlands galt lange Zeit das klassische Familienmodell, in dem Frauen nicht oder nur wenig gearbeitet haben, sondern für die Erziehung der Kinder und den Haushalt zuständig waren, während der Mann als Familienernährer einer Erwerbstätigkeit nachging.

Die Rente ist der Spiegel der Erwerbstätigkeit, das heißt vereinfacht: Frauen erhalten oft weniger Rente, da sie weniger Jahre erwerbstätig waren, häufiger in (kleiner) Teilzeit gearbeitet und somit weniger verdient haben. Der sogenannte Gender Time Gap im Erwerbsleben ist ein entscheidender Grund für den Gender Pension Gap: 45 Prozent aller Frauen arbeiten in Teilzeit, wohingegen dieser Anteil bei Männern nur 9 Prozent ausmacht. Frauen zahlen deswegen weniger in die Rentenkassen ein. Da die Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit größtenteils zu Lasten von Frauen ging und geht, sind es oft Frauen, die im Alter ein geringeres Einkommen haben.

Welchen Einfluss haben Berufswahl und Alter (bzw. Generation) auf das Renteneinkommen? 

Selbst Frauen, die Vollzeit und ohne Erwerbsunterbrechungen arbeiten, sind von Altersarmut betroffen, da sie oft weniger verdienen als Männer. Der Gender Pay Gap in Deutschland liegt derzeit bei 21 Prozent. Viele Berufe mit Menschen werden von Frauen ausgeübt – beispielsweise Erzieherin, Krankenpflegerin oder Ergotherapeutin – und die werden einfach nicht gut genug und nicht ihrer gesellschaftlich hohen Bedeutung entsprechend bezahlt. Wenn das Einkommen so gering ist, können nur schwer ausreichend Rentenanwartschaften erworben werden. Das ist ein dringender Grund, warum soziale und personenbezogene Dienstleistungen aufgewertet werden müssen.

Ein weiterer Grund ist, dass Frauen häufig in kleinen und mittelständischen Betrieben arbeiten, in denen oft keine betriebliche Altersvorsorge angeboten wird. Damit entfallen für viele Frauen Einkünfte aus der zweiten Säule. Und mit ihren niedrigen Einkommen gelingt es Frauen wohl kaum, privat vorzusorgen. Daher ist es wichtig, die gesetzliche Rente zu stärken, um eine auskömmliche Rente im Alter zu bekommen.

Der Gender Pension Gap verringert sich allmählich, das ergaben Langzeitbeobachtungen. 1992 erhielten Frauen noch 69 Prozent weniger Rente als Männer, 1997 war dieser Wert bereits auf 62 Prozent gefallen, zurzeit liegt er wie gesagt bei 53 Prozent. Dieser Angleich ist einerseits das Ergebnis daraus, dass immer mehr Frauen arbeiten und das „klassische Familienmodell“ an Relevanz verliert (die Teilzeitquote ist bei Frauen jedoch immer noch sehr hoch), gleichzeitig sinken aber auch die Renten von Männern. Reformen wie die Mütterrente spielen hier natürlich auch mit hinein – so werden die Kindererziehungszeiten von bis zu 30 Monaten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, in der Rente honoriert. Für Eltern von Kindern, die nach 1992 geboren wurden, werden die Kindererziehungszeiten bis zu 36 Monaten angerechnet. Das heißt: Für Kindererziehungszeiten bekommen Frauen und Männer Entgeltpunkte gutgeschrieben, die sich direkt auf die Rentenhöhe auswirken.

Berechnungsgrundlage ist dabei das Durchschnittsjahresgehalt von derzeit knapp 39.000 Euro.

Mareike Richter, Deutscher Gewerkschaftsbund, Frauen, Gleichstellung, Rentenpolitik

Mareike Richter, www.dgb.de

Mareike Richter ist als politische Referentin beim Deutschen Gewerkschaftsbund Bundesvorstand in der Abteilung Frauen, Gleichstellungs- und Familienpolitik für die gleichstellungsorientierte Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Rentenpolitik zuständig.


Warum nehmen immer noch zu wenig Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand?



Obwohl Frauen gut mit Geld umgehen können, fokussieren sie sich noch nicht genügend auf die eigene, langfristige Finanzplanung. Der Grund hierfür liegt in der historischen Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen. Als klassische „Brotgewinner“ haben sich Männer schon immer mit Finanzen beschäftigen müssen. Frauen waren lange Zeit entmündigt und hatten weniger Rechte, konnten auch in Deutschland bis in die 70er Jahre hinein – sobald sie verheiratet waren – nicht frei über ihre eigene berufliche Laufbahn entscheiden und hatten dadurch natürlich auch weniger Berührungspunkte mit der Finanzplanung. Daher entsteht das Bewusstsein für die eigenverantwortliche Vorsorge bei vielen Frauen auch erst jetzt. Ein anderer Grund, der ebenfalls in der historischen Rollenverteilung seinen Ursprung hat, ist, dass es lange für Frauen als „unschicklich“ galt, über Geld zu sprechen, verdiente doch der Ehemann im klassischen Familienmodell den Lebensunterhalt. Unter Männern gilt das Gespräch über Geld und Finanzen als ganz normal, Geld entspricht sozialem Ansehen und Prestige.

Jüngere Frauen nehmen ihre Finanzen schon eher in die eigenen Hände und haben das Selbstverständnis, für erbrachte Leistungen auch selbstbewusst Geld zu fordern, überhaupt zu wissen, was die eigene Arbeit wert ist. Denn es macht Spaß, seine Finanzen zu planen, schließlich kümmert man sich damit um die eigene Zukunft, also um sich selbst. Die erste Hürde ist schon überwunden, wenn Frauen sich von „anerzogenen“ entmündigenden Gedanken befreien. Ich höre oft den Satz: „Ich und Mathe – wir sind noch nie gut ausgekommen.“ Dabei ist Finanzplanung wirklich nichts, was all zu kompliziert ist, Frau muss sich nur erst einmal mit dem Thema beschäftigen, um das zu bemerken.

Was können Frauen selbst tun?

Am wichtigsten überhaupt ist es, über Geld zu sprechen. Bringen Sie das Thema auf den Tisch. Wer sich um sein Geld kümmert, kümmert sich um sich selbst. Besonders in Partnerschaften sollte offen über finanzielle Angelegenheiten gesprochen werden. Wer zahlt was, gibt es ein gemeinsames Konto oder behält jeder sein eigenes Konto? Wie wird die Altersvorsorge geregelt? Hört ein Partner auf zu arbeiten, um beispielsweise Kinder zu erziehen, sollte es normal sein, sich mit dem Partner abzustimmen, wie die verlorenen Berufsjahre kompensiert werden. Teil einer fürsorglichen Partnerschaft ist es auch, den Vermögensaufbau für den Partner zu sichern, der aus dem Berufsleben aussteigt, um Sorgearbeit zu verrichten. Das kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen, zum größten Teil sind es in Deutschland immer noch Frauen, die eine Babypause machen.

Eine faire Lösung ist dann – ausgehend vom Vollzeitgehalt vor der Geburt des Kindes – dass der weiterhin berufstätige Partner den Betrag, der bis zu dem Zeitpunkt laut Lohnzettel in die Rentenversicherung gezahlt wurde, weiterhin für den Partner einzahlt. Dies kann als freiwillige Zahlung in die gesetzliche Rentenversicherung geschehen oder der Betrag kann anderweitig angelegt werden. Genau diese Verhandlung innerhalb der Partnerschaft ist für manche Frauen schwierig. Hier sind wir wieder bei dem anfangs erwähnten Selbstbewusstsein, für erbrachte Leistungen die entsprechende Entschädigung zu fordern – auch, oder gerade, in einer Beziehung. Viele Frauen tun dies (noch) nicht und gehen davon aus, dass sie später einmal Anspruch auf Rentenpunkte ihres Mannes haben werden. Doch sollte Frau die eigene Zukunft nicht von jemand anderem abhängig machen. Denn wenn sie sich später scheiden lässt, sind die Rentenpunkte des Mannes nicht genug, um zwei getrenntlebende Haushalte zu finanzieren.

Mein Tipp: Als Frau würde ich darauf achten, nicht zu lange aus dem Arbeitsleben auszusteigen, auch später nicht zu lange in Teilzeit zu arbeiten und mehr über Geld zu verhandeln. Paaren rate ich, lieber im kurzfristigen Konsumverhalten etwas kürzerzutreten (beispielsweise nicht in den teuren Urlaub fahren), dafür aber Geld langfristig in den Vermögensaufbau der Frau (oder des Partners, der sich um die Kinder kümmert) zu stecken.

Dani Parthum, Geldcoach, Wirtschaftsjournalistin, Ökonomin, Finanzcoach

Dani Parthum, Geldcoach und Wirtschaftsjournalistin, Ökonomin, www.geldfrau.de

Ich teile mein Fach- und Finanzwissen sowie meine Erfahrungen auf meinem Blog, begleite Frauen und Männer in Einzelcoachings und vermittle praktisches Finanzwissen in Online-Tutorials. Mein Ziel ist es, vor allem Frauen einen unabhängigen Zugang zum Thema Geld und Vermögensaufbau zu bieten. Denn in der Schule lernen wir über Finanzen fast nichts. Ich möchte, dass Frauen finanziell auf eigenen Füßen stehen und unabhängig von Beratern oder Ehepartnern sind. Mein Leitmotiv: Frauen können Finanzen!


Welche Jobs sind die häufigsten, mit denen sich Rentner etwas dazuverdienen?



In unseren Jobbörsen „www.minijob-zentrum.de“, „www.aushilfsjobs.net“, www.nebenjobs.net und www.gelegenheitsjobs.de haben wir Statistiken zu der Frage, welche Minijobs für Rentner interessant sind:

  1. Minijobs im Bereich Haushalt (Haushaltshilfe m/w/d) mit nahezu 45 Prozent aller Anfragen
  2. Minijobs im Bereich Office/Büro (Bürohilfe/Bürohelfer m/w/d) mit etwa 40 Prozent aller Anfragen.

Die weiteren Branchen sind relativ gleich verteilt. Hier sind meist Saisontätigkeiten im Verkauf/Gastro, Facility-Management und Handwerk zu finden.

Wie viel Geld kann man im Durchschnitt dazuverdienen?

Der Verdienst eines Rentners ist altersabhängig. Sobald der Rentner-Minijobber die Regelaltersgrenze erreicht, ist der Hinzuverdienst unbegrenzt möglich. Seit dem 1.7.2017 gibt es einen „Jahreswert” von 6.300 Euro für die Rentner, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben (abhängig vom Geburtsjahrgang zwischen 65 und 67 Jahren). Wenn der Job aber ein Minijob bleiben soll, dann gelten natürlich die Minijob-Entgeltgrenzen von 450 Euro pro Monat oder maximal 5400 Euro pro Jahr auch hier!

Fazit: Bei einem „normalen“ 450-Euro-Minijob gibt es keine Abzüge für Rentner.

Thomas Eggenhofer, www.gelegenheitsjobs.de

Wir beschäftigen uns mit den Themen Jobs ab 50+ schon seit Jahren und haben hierfür einen extra Bereich in unserer Jobbörse „gelegenheitsjobs.de“ bereits 2003 für diese Kategorie geschaffen. Zum Kampagnenjahr „Frauen und Minijob“ 2017 gab es einige News hierzu.


Betrifft Altersarmut nur Geringverdiener und ab welchem Alter sollte man vorsorgen?



Altersarmut betrifft potenziell Menschen in allen Einkommensklassen, da gibt es keine Ausnahme. Also egal, wieviel man jetzt verdient, wir haben alle einen gewissen Lebensstandard, den wir natürlich später auch halten wollen. Um das zu ermöglichen, sollte jeder so früh wie möglich anfangen vorzusorgen. Studien belegen schon heute, dass selbst ein Durchschnittsverdiener später mal in der Grundsicherung landen wird. Altersarmut betrifft also nicht nur Menschen, die wenig verdienen, sondern ist ein ernsthaftes Problem, mit dem sich Berufstätige aller Einkommensklassen auseinandersetzen sollten. Denn das Problem der niedrigen Renten wird alle, die von der gesetzlichen Rentenversicherung abhängig sind, einmal betreffen. Wie sich die Zukunft entwickelt, wissen wir noch nicht, aber es wird darauf hinauslaufen, dass entweder die Beiträge steigen oder die Renten sinken oder das Renteneinstiegsalter weiter nach oben angehoben wird. Vielleicht wird es auch eine Kombination aus allen drei Dingen. Das klingt nicht rosig, daher ist es auch so wichtig, dass jeder erkennt, dass hier Eigenverantwortung gefragt ist.

Woher kenne ich meinen Bedarf – also woher weiß ich, wie viel ich zurücklegen sollte? 

Diese Frage ist pauschal nicht so leicht zu beantworten, da jeder einen anderen Lebensstil pflegt. Es macht aber Sinn, überhaupt erstmal mit der Altersvorsorge anzufangen. Ein Betrag, der nicht übermäßig weh tut, sodass man ohne Einschränkungen leben kann, ist zu empfehlen. Es gibt Möglichkeiten die spätere (wahrscheinliche) Rentenlücke mit kostenlosten Tools im Internet zu berechnen. So ein Tool findet man, indem man nach „Rentenrechner“ im Internet sucht, ich biete es auch auf meiner Webseite an. Ich rate jedem, mit einer Berechnung zu beginnen, gern auch zusammen mit dem Versicherungsvermittler des Vertrauens. Hier wird ermittelt, wie groß die Rentenlücke unter Berücksichtigung der Inflation später einmal sein wird, und es kann daraufhin ein entsprechender monatlicher Betrag ermittelt werden – den gilt es dann zurückzulegen. Die Höhe der Rentenlücke – also auch der empfohlene Sparbetrag – hängen vom Verdienst, den potenziellen Rentenpunkten und von der zu erwartenden Rendite der Anlage ab, sind also schwer zu pauschalisieren. Eines steht jedoch fest: Eine Rentenlücke hat jeder und sie ist auf alle Fälle größer, als die meisten Menschen sie einschätzen würden. 

Was ist der größte Renten-Mythos, dem Sie vor allem bei jungen Menschen begegnen?

Vielen Menschen ist die Größe der eigenen Rentenlücke nicht bewusst. Auch die Denkweise, dass die Rente schon vom Staat irgendwie geregelt wird, ist immer noch tief verankert. Das wird aber für die heute berufstätige Generation nicht mehr so funktionieren. Besonders für sehr junge Menschen liegt das Szenario „Rente“ gefühlt noch so weit in der Zukunft, dass sie denken, es reicht, wenn sie sich später damit auseinandersetzen. Dabei tut sich derjenige einen Gefallen, der schon in seinen 20-ern anfängt vorzusorgen. Denn wer erst mit 40 anfängt zu sparen, muss monatlich das Dreifache weglegen, wie noch 15 Jahre zuvor. Je früher man anfängt, desto besser – denn dann sind die nötigen Beiträge auch noch so gering, dass es nicht bedeutet, sich im Alltag einschränken zu müssen. Hierfür das Bewusstsein zu schaffen, ist nicht immer einfach, denn wir leben in einer Konsumwelt, es zählt das „Hier und Jetzt“. Ich denke, die richtige Balance aus im „Hier und Jetzt“ zu leben und gleichzeitig etwas für seine Zukunft im Alter zu tun, ist wichtig.

Was wäre ein guter erster Schritt, den Sie empfehlen könnten? 

Wenn man das Ziel nicht kennt, kann man auch schlecht darauf hinarbeiten und es auch nicht erreichen. Um also den eigenen Bedarf zu ermitteln, würde ich empfehlen, mit einem Online-Rentenlückenrechner erst einmal zu prüfen, wie groß die Rentenlücke einmal sein wird. Diese Tools sind kostenlos, das kann jeder im Internet erledigen. So bekommt man schonmal ein grobes Gefühl dafür, in welchen Größenordnungen man denken sollte. Mit so einem Ziel vor Augen steigt dann auch die Motivation, etwas für seine eigene Zukunft zu tun – und das kann ich nur jedem empfehlen.

Bastian Kunkel, versicherungenmitkopf, Versicherungsmakler, Versicherungsgeflüster

Bastian Kunkel, www.versicherungenmitkopf.de

Ich bin unabhängiger, IHK-zertifizierter Versicherungsmakler und helfe Menschen, die für sie wichtigen und passenden Versicherungen zu finden. Denn da gibt es viel, was man falsch machen kann. Mein Motto ist: „Erst verstehen, dann versichern!“ Deshalb betreibe ich auch den YouTube-Kanal „Versicherungen mit Kopf“ und den Podcast „Versicherungsgeflüster“ (zusammen mit Patrick Hamacher), auf denen ich komplexe Versicherung verständlich erkläre und auch Online-Beratungen für diverse Versicherungsbereiche anbiete, damit danach jeder eigenverantwortlich die richtige Versicherung für sich abschließen kann.


Anerkennung von Lebensleistung nicht mit Bekämpfung von Altersarmut verwechseln



Mit der sogenannten „Grundrente“ soll das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel umgesetzt werden, die „Lebensleistung von Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben“ zu belohnen. Das Ziel „Anerkennung von Lebensleistung“ ist dabei nicht zu verwechseln mit der Bekämpfung von Altersarmut. Das wird schnell deutlich, wenn man sich die Voraussetzungen dieser neuen Leistung ansieht, die häufig auch als „Respektrente“ bezeichnet wird.

Berechtigt sollen alle Versicherten sein, die mindestens 35 Jahre sogenannte Grundrentenzeiten vorweisen können. Gegenüber der Grundsicherung zeichnet sich die Grundrente nach jetzigem Kenntnisstand dadurch aus, dass keine Bedürftigkeitsprüfung erfolgt. Die neue zusätzliche Leistung soll von der gesetzlichen Rentenversicherung, nicht vom Sozialamt ausgezahlt werden.

Auch wenn noch nicht bekannt ist, welche Zeiten letztlich für die Grundrente relevant sein werden, kann ein Blick in die Statistik möglicherweise Orientierung geben, wie sich diese Leistung verteilen könnte. Derzeit haben rund zwei von drei Personen des Rentenzugangs 35 Versicherungsjahre in der Rentenversicherung. Diese sogenannten langjährig Versicherten erreichen eine durchschnittliche Rente in Höhe von 1.184 Euro, wobei nur etwa ein Prozent dieser Gruppe grundsicherungsbedürftig ist. Ginge es also um Armutsvermeidung im Sinne einer Vermeidung von Grundsicherungsbezug, wären 99 Prozent aller langjährig Versicherten gar nicht betroffen. Für die Bekämpfung von Altersarmut wäre die Grundrente damit wohl äußerst ungeeignet.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist das mit Abstand wichtigste Alterssicherungssystem in Deutschland. Allerdings bezieht z. B. rund ein Viertel aller Grundsicherungsempfänger keine eigene Rente; Maßnahmen im Bereich des Rentenrechts können diese Personen also nicht erreichen. Selbst die Rentner unter den Grundsicherungsbeziehern dürften nur in den seltensten Fällen eine Grundrente erhalten, denn rund 80 Prozent der Grundrentenbezieher kämen nicht auf die erforderlichen 35 Jahre in der Rentenversicherung.

Zur Armutsbekämpfung sieht das Konzept von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zwei andere Instrumente vor: Freibeträge in der Grundsicherung sowie beim Wohngeld. Diese Maßnahmen zielen konkret darauf ab, Armut im Alter zu vermeiden. Dennoch werden sie in der Öffentlichkeit weitaus weniger häufig diskutiert und wahrgenommen als die Grundrente – vielleicht, weil die beiden armutsvermeidenden Maßnahmen nur einen Bruchteil der Kosten ausmachen, die für die Grundrente veranschlagt werden.

Brigitte L. Loose, Leiterin des Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA), Deutsche Rentenversicherung Bund

Brigitte L. Loose, www.deutsche-rentenversicherung.de

Brigitte L. Loose ist Leiterin des Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung Bund.


Wohngeld als ein Instrument gegen Altersarmut durch steigende Mieten



Ältere Menschen haben vor allem das Problem, dass Mietkosten in vielen Teilen Deutschlands sehr schnell ansteigen, ihr Einkommen, um die Miete und andere Lebenshaltungskosten zu stemmen, aber nicht im gleichen Maße mitwächst.

Ein weiteres Problem, das vor allem ältere Menschen betrifft, ist, dass sie auf veränderte Lebensumstände – wie eine Trennung oder den Tod des Partners – nicht so flexibel reagieren können. Denn fällt ein Einkommen weg, ist die bisher geteilte Wohnung oft zu groß oder auch mit dem nun kleineren Einkommen nicht mehr zu halten. Neumietverträge sind aber immer teurer als laufende Mietverträge.

Was wären mögliche Lösungsansätze? 

Ein wichtiges Instrument zur Lösung dieser finanziellen Probleme ist das Wohngeld. Im Durchschnitt erhalten Wohngeldempfänger monatlich 150 Euro je Haushalt, um mit den gestiegenen Mieten mithalten zu können. Viele Rentner schaffen es nur dank des Wohngeldes, die Kosten für ihre Miete zu decken – könnten sie das nicht mehr, würden sie Grundsicherung anstatt Wohngeld erhalten.

Leider steigen die Mieten schneller als der Wohngeldanspruch vieler Rentner, da das Wohngeld nicht jährlich angepasst wird und auch Strom- und Heizkosten nicht berücksichtigt. Daher gibt es immer mehr ältere Menschen, die Grundsicherung empfangen, anstatt Wohngeld zu beziehen. Die letzte Wohngeldreform fand 2016 statt – mit der nächsten vom Gesetzgeber geplanten Neuerung zum 1.1.2020.

Es wäre aber aus den oben genannten Gründen sehr wichtig, die Berechnungsgrundlage für den Wohngeldbedarf regelmäßiger neu zu prüfen und anzupassen.

Dr. Joachim Rock, Paritätischer Gesamtverband

Dr. Joachim Rock, www.der-paritaetische.de

Ich bin Abteilungsleiter für Arbeit, Soziales und Europa beim Paritätischen Gesamtverband.

Obwohl viel getan wird, um Altersarmut entgegenzuwirken, sollten vor allem junge Menschen wissen, dass eine private Vorsorge essenziell ist. Für Frauen, die eine Familie planen, ist es besonders wichtig, sich über die Zusammenhänge von Arbeitszeit, Karrierepausen und späterem Rentenanspruch zu informieren.


Foto Credits:

Stefanie Kühn @ Stefanie Kühn

Mareike Richter @ Deutscher Gewerkschaftsbund

Dani Parthum @ Tom Salt

Bastian Kunkel @ Bastian Kunkel

Brigitte L. Loose @ DRV Bund/Terbach

Dr. Joachim Rock @ Der Paritätische Gesamtverband


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