Bei Rheuma kann die Ernährung Entzündungen nicht heilen und keine ärztliche Behandlung ersetzen. Sie kann den Alltag aber sinnvoll unterstützen: Eine überwiegend pflanzliche, mediterran geprägte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, hochwertigen Pflanzenölen und regelmäßig fettreichem Fisch gilt als günstige Grundlage.
Wichtig ist vor allem das Gesamtbild. Einzelne Lebensmittel wirken nicht wie Medikamente. Entscheidend ist, entzündungsfördernde Faktoren wie sehr viel rotes Fleisch, Wurstwaren, stark verarbeitete Produkte, viel Zucker und ungünstige Fettquellen zu reduzieren und gleichzeitig nährstoffreiche Lebensmittel regelmäßig einzuplanen.
Rheuma ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen. Besonders bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis spielen Entzündungsprozesse eine zentrale Rolle. Ernährung kann diese Prozesse nicht allein steuern, aber sie beeinflusst unter anderem Fettstoffwechsel, Körpergewicht, Darmgesundheit, Herz-Kreislauf-Risiken und die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen.
Fachgesellschaften und Patientenorganisationen betonen deshalb eine ausgewogene, langfristig durchhaltbare Ernährung. Strenge „Rheuma-Diäten“ oder Heilversprechen sind nicht sinnvoll. Besser ist ein alltagstaugliches Ernährungsmuster, das Entzündungen möglichst wenig fördert und gleichzeitig Energie, Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe liefert.
Diese Grundidee passt auch zu den Empfehlungen rund um Ernährung im Alter: Mahlzeiten sollten gut verträglich, nährstoffreich und im Alltag ohne großen Aufwand umsetzbar sein.
Bei Rheuma eignen sich vor allem Lebensmittel, die viele Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, ungesättigte Fettsäuren und wichtige Mikronährstoffe liefern. Die folgende Übersicht zeigt geeignete Lebensmittelgruppen und praktische Beispiele.
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Lebensmittel |
Warum sinnvoll? |
Alltagstipp |
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Gemüse und Salat |
liefern Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Pflanzenstoffe |
täglich mehrere Portionen einplanen, zum Beispiel Brokkoli, Spinat, Paprika, Tomaten oder Blattgemüse |
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Obst und Beeren |
liefern Antioxidantien und können Süßes im Alltag ersetzen |
Beeren, Äpfel oder Zitrusfrüchte als Snack, im Joghurt oder im Müsli nutzen |
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Vollkornprodukte |
sättigen länger und unterstützen die Ballaststoffzufuhr |
Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis oder Vollkornnudeln bevorzugen |
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Hülsenfrüchte |
liefern pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe |
Linsen, Bohnen, Erbsen oder Kichererbsen als Suppe, Eintopf, Salat oder Beilage verwenden |
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Nüsse und Samen |
liefern ungesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe |
eine kleine Handvoll ungesalzene Nüsse oder Leinsamen ins Frühstück geben |
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Pflanzliche Öle |
Raps-, Lein-, Walnuss- und Olivenöl liefern günstige Fettsäuren |
Leinöl nur kalt verwenden; Raps- oder Olivenöl für die Alltagsküche nutzen |
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Fettreicher Fisch |
enthält langkettige Omega-3-Fettsäuren |
wenn Fisch gegessen wird: Hering, Makrele, Lachs oder Sardinen schonend zubereiten |
Verboten ist nicht automatisch alles, was entzündungsfördernde Bestandteile enthalten kann. Sinnvoll ist aber, bestimmte Lebensmittel seltener zu essen oder bewusst kleinere Portionen zu wählen.
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Eher reduzieren |
Warum? |
Bessere Alternative |
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Rotes Fleisch und Wurstwaren |
enthalten Arachidonsäure und oft viel gesättigtes Fett oder Salz |
Hülsenfrüchte, Fisch, Geflügel in Maßen oder vegetarische Eiweißquellen |
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Innereien und sehr fettreiche Fleischprodukte |
können Entzündungsprozesse und weitere Stoffwechselbelastungen ungünstig beeinflussen |
pflanzenbetonte Mahlzeiten mit Gemüse, Vollkorn und Eiweißquelle |
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Frittierte Speisen |
liefern oft viel Energie und ungünstige Fettqualität |
backen, dünsten, kochen oder im Ofen zubereiten |
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Süßigkeiten und zuckerreiche Getränke |
können Gewicht und Stoffwechsel belasten |
Wasser, ungesüßter Tee, Obst oder Joghurt mit Beeren |
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Stark verarbeitete Fertigprodukte |
häufig viel Salz, Zucker, ungünstige Fette und wenig Nährstoffe |
einfache Gerichte aus Grundzutaten vorkochen |
Für entzündlich-rheumatische Erkrankungen ist die Fettqualität besonders interessant. Arachidonsäure kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor und kann an der Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe beteiligt sein. Deshalb ist es sinnvoll, rotes Fleisch, Wurstwaren und sehr fettreiche tierische Produkte nicht zum täglichen Schwerpunkt der Ernährung zu machen.
Omega-3-Fettsäuren aus fettreichem Fisch sowie Alpha-Linolensäure aus Leinöl, Rapsöl, Walnüssen oder Chiasamen können dagegen zu einer entzündungsbewussten Ernährung passen. Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3 sollten Sie nur nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsberatung einnehmen.
Weil Fettqualität, Entzündungen und Herz-Kreislauf-Gesundheit eng zusammenhängen, sind auch Lebensmittel für ein gesundes Herz und eine bewusste Auswahl bei verbotenen Lebensmitteln bei hohem Cholesterin relevante Orientierungspunkte.
Im Alter geht es nicht um strenge Regeln, sondern um eine Ernährung, die nährstoffreich, gut verträglich und im Alltag machbar ist. Viele ältere Menschen essen kleinere Portionen oder haben weniger Appetit. Dann sollten Eiweißquellen, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette bewusst eingeplant werden.
Wichtig ist außerdem die Knochengesundheit. Rheumatische Erkrankungen, eingeschränkte Bewegung und bestimmte Medikamente können das Osteoporoserisiko erhöhen. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Eiweiß sollte deshalb ärztlich oder ernährungstherapeutisch mitgedacht werden.
Alkohol sollte bei Rheuma zurückhaltend konsumiert werden. Bei Gicht, Leberproblemen, bestimmten Medikamenten oder Osteoporoserisiko kann Alkohol besonders ungünstig sein. Kaffee ist für viele Menschen nicht grundsätzlich verboten, sollte aber nicht dazu führen, dass zu wenig Wasser oder ungesüßter Tee getrunken wird.
Wenn zusätzlich erhöhte Harnsäurewerte oder Gichtanfälle auftreten, wird die Gicht Ernährung besonders wichtig, weil Alkohol und bestimmte Lebensmittel die Beschwerden beeinflussen können.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt: Nicht alles, was frei verkäuflich ist, ist automatisch sinnvoll. Vitamine, Spurenelemente, Omega-3-Präparate oder hoch dosierte Pflanzenstoffe sollten besonders bei mehreren Erkrankungen oder Medikamenten ärztlich abgeklärt werden.
Ernährung bei Rheuma bedeutet vor allem: entzündungsbewusst, ausgewogen und alltagstauglich essen. Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, hochwertige Pflanzenöle und Omega-3-Quellen bilden eine gute Grundlage. Rotes Fleisch, Wurstwaren, stark verarbeitete Produkte, viel Zucker und ungünstige Fette sollten dagegen seltener auf dem Teller landen. So kann die Ernährung die Behandlung sinnvoll begleiten und gleichzeitig die allgemeine Gesundheit im Alter unterstützen.
Deutsche Rheuma-Liga: Ernährung. https://www.rheuma-liga.de/rheuma/alltag-mit-rheuma/ernaehrung.
Verbraucherportal Bayern: Entzündungshemmende Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen. https://www.vis.bayern.de/essen_trinken/krankheiten/rheuma.htm.
EULAR / Annals of the Rheumatic Diseases: 2021 EULAR recommendations regarding lifestyle behaviours and work participation to prevent progression of rheumatic and musculoskeletal diseases. https://ard.bmj.com/content/82/1/48.