Menschen verändern sich ihr Leben lang. Erfahrungen, Erlebnisse und gesundheitliche Faktoren prägen die Persönlichkeit. Im höheren Alter können diese Veränderungen stärker ausgeprägt sein. Manche ältere Menschen werden aggressiver, introvertierter oder zeigen plötzlich Verhaltensweisen wie Altersstarrsinn, Angst oder Depression. Für Angehörige ist dies häufig belastend, besonders wenn eine Krankheit die Ursache ist.
Eine Wesensveränderung liegt vor, wenn sich Verhalten und Persönlichkeit eines Menschen deutlich ändern. Entscheidend ist, dass diese Veränderungen das Leben des Betroffenen und sein Umfeld merklich beeinflussen, egal ob sie vorübergehend oder dauerhaft sind.
Typische Erscheinungen:
Aggression oder Reizbarkeit
Sozialer Rückzug
Starrsinn oder Widerspenstigkeit
Verwirrung oder Desorientierung
„Plötzlich“ bedeutet hier subjektiv. Oft verläuft die Veränderung schleichend, wird aber von Angehörigen erst dann bemerkt, wenn sie deutlich spürbar ist.
Aggressives Verhalten kann körperliche oder psychische Ursachen haben:
Neurologische Erkrankungen (z. B. Demenz, Schlaganfall, Parkinson) beeinträchtigen Hemmschwellen und erhöhen Aggressionsbereitschaft.
Angst und Verunsicherung können Aggression auslösen, besonders bei Menschen, die sich in ihrer Umgebung nicht mehr sicher fühlen.
Schmerzen oder körperliche Beschwerden erhöhen ebenfalls Reizbarkeit.
Tipp für Angehörige: Nicht persönlich nehmen, versuchen, die Auslöser zu erkennen und gegebenenfalls professionelle Hilfe (Hausarzt, Pflegefachkraft) einzubeziehen.
Schwierigkeit, eigene Einschränkungen zu akzeptieren
Angst vor Kontrollverlust oder Abhängigkeit
Wunsch, Autonomie und Lebensleistung zu bewahren
Desorientierung kann zeitlich, örtlich oder persönlich auftreten. Betroffene glauben oft, dass ihre Wahrnehmung korrekt ist, auch wenn sie objektiv falsch liegt. Ursachen:
Demenz oder andere neurologische Erkrankungen
Akute Krankheiten (z. B. Infektionen, Dehydration)
Medikamente oder Schlafstörungen
Oftmals resultiert daraus Angst, Aggression oder Rückzug der Betroffenen, da sie sich unsicher und überfordert fühlen; zudem kann die Verwirrung das Urteilsvermögen beeinträchtigen, die Kommunikation erschweren und das Risiko für Stürze oder Fehlverhalten erhöhen.
Tipp für Angehörige: Geduldig sein, Orientierungshilfen bieten (Kalender, Fotos, vertraute Routinen) und nicht korrigieren, sondern begleiten.
Häufige Ursachen:
Demenz: Degenerative Veränderung von Nervenzellen, schleichender Verlust kognitiver Fähigkeiten.
Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose können Verhalten und Stimmung stark verändern.
Psychische Erkrankungen: Auch Schizophrenie oder Depressionen können im Alter erstmals auftreten.
Hinweis: Die Krankheitsverläufe sind individuell und können stark variieren; eine frühzeitige Erkennung, kontinuierliche medizinische Betreuung und gegebenenfalls therapeutische Unterstützung sind entscheidend, um Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und mögliche Komplikationen zu vermeiden.
Ältere Menschen erleben häufig Verlust von Selbstständigkeit, Tod nahestehender Menschen oder Veränderung der Lebensumstände, was Angst, Wut oder Rückzug auslösen kann.
Eine typische Alltagssituation: Nach dem Umzug in ein Pflegeheim lehnt ein bisher geselliger Mensch Besuch ab und zeigt Gereiztheit.
Tipp für Angehörige: Sicherheit und Struktur bieten, über Gefühle sprechen lassen, psychologische Beratung einbeziehen.
Konflikte nicht durch Gegenwehr verschärfen
Lebensleistung anerkennen und wertschätzen
Hilfe schrittweise anbieten
Professionelle Unterstützung einbeziehen, wenn nötig
Tipp für Angehörige: Oft kann es helfen, einen ambulanten Pflegedienst als Unterstützung zu engagieren. Dieser kann beispielsweise die Medikation oder Grundpflege übernehmen, ohne dass Angehörige ständig intervenieren müssen.
Manchmal sind Veränderungen reversibel:
Medikamente mit Nebenwirkung
Infektionen, Fieber, Stoffwechselstörungen
Akute Belastungen
Tipp für Angehörige: Ärztliche Abklärung, sorgfältige Beobachtung von Symptomen und gegebenenfalls Anpassung der Behandlung können helfen, die Ursachen frühzeitig zu erkennen. Außerdem ist es wichtig, Veränderungen im Verhalten genau zu dokumentieren, auf Medikamente und deren Nebenwirkungen zu achten sowie unterstützend für Ruhe, Orientierung und Flüssigkeitszufuhr zu sorgen, um eine schnelle Erholung zu fördern.
Oft stehen Angehörige hilf- und ratlos vor der veränderten Situation. Der Mensch, den sie so lange kannten und schätzten, verhält sich unverständlich, vielleicht sogar feindlich. Man fühlt sich schnell abgelehnt oder ungerecht behandelt, aber vor allem fällt es schwer, die neue Situation zu akzeptieren.
Die Verbindung und Verbundenheit wird fragil, wenn die Vertrautheit zu bröckeln beginnt und der Gegenüber einem fremd zu werden scheint. Daher ist es wichtig, sowohl den veränderten Menschen mit Nachsicht und Verständnis zu begegnen, als auch die eigenen Ressourcen zu schonen.
Konflikte nicht durch Gegenwehr verschärfen
Lebensleistung anerkennen und wertschätzen
Hilfe schrittweise anbieten
Professionelle Unterstützung einbeziehen, wenn nötig
Tipp für Angehörige: Oft kann es helfen, einen ambulanten Pflegedienst als Unterstützung zu engagieren. Dieser kann beispielsweise die Medikation oder Grundpflege übernehmen, ohne dass Angehörige ständig intervenieren müssen.
Krankheit verstehen: Wesensveränderung ist nicht persönlich
Orientierungshilfen einsetzen (Fotos, Routinen)
Geduld und Wiederholung statt Korrektur
Selbsthilfegruppen nutzen
Tipp für Angehörige: Demenz verändert die Wahrnehmung, aber nicht die Persönlichkeit vollständig. Positive, einfühlsame Interaktion, Anerkennung von Gefühlen und kleine Erfolgserlebnisse im Alltag stärken die Beziehung, fördern das Wohlbefinden der Betroffenen und helfen, Frustration oder Rückzug zu vermeiden. Außerdem kann es sinnvoll sein, sich selbst Unterstützung zu suchen, z. B. durch einen Kurs im Umgang mit Demenz, Selbsthilfegruppen oder professionelle Beratung, um die Pflege nachhaltig zu gestalten.
Wesensveränderungen bei Angehörigen belasten auch das eigene Leben stark. Daher ist es wichtig, auf die eigene psychische und körperliche Gesundheit zu achten:
Psychische Gesundheit schützen: Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, Ernährung und Bewegung. Achten Sie auf Warnsignale wie anhaltende Erschöpfung, Gereiztheit oder depressive Verstimmungen.
Stress reduzieren und Auszeiten nehmen: Legen Sie regelmäßige Pausen ein, nutzen Sie Freizeitaktivitäten oder Hobbys als
Ausgleich und scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Familie oder Freunden anzunehmen.
Informationen sammeln und Hilfsangebote nutzen: Informieren Sie sich über die Erkrankung, typische Verhaltensweisen und bewährte Umgangsstrategien. Beratungsstellen, Pflegekurse oder Selbsthilfegruppen bieten praxisnahe Unterstützung.
Professionelle Unterstützung frühzeitig einbeziehen: Je nach Situation können Hausärzte, Fachärzte, Pflegefachkräfte oder Therapeut:innen entlasten, Risiken minimieren und für Sicherheit sorgen.
Tipp für Angehörige: Trennen Sie die Person von der Krankheit, um Schuldgefühle, Überforderung oder unnötige Konflikte zu vermeiden. Erinnern Sie sich daran, dass herausforderndes Verhalten Ausdruck der Erkrankung ist und nicht der Beziehung oder Ihrer Fürsorge.
Wesensveränderungen im Alter sind vielschichtig, können körperliche, psychische oder soziale Ursachen haben. Angehörige brauchen Wissen, Geduld und Unterstützung, um angemessen zu reagieren. Mit Verständnis, Struktur und professioneller Begleitung lässt sich die Situation für alle Beteiligten verbessern.