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Altersdepression – Wie lässt sie sich erkennen und behandeln?

Für viele ältere Menschen kann Einsamkeit und Isolation zu depressiven Verstimmungen führen. Oft werden diese jedoch als „Alterszipperlein“ abgetan und nicht behandelt, da sie schlichtweg nicht als schwerwiegend erkannt werden. Wir haben uns mit Experten unterhalten, um Sie über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Auch Elke Schilling, die Initiatorin des Silbernetz-Vereins, haben wir zu dem Thema Altersdepression befragt. Erfahren Sie hier mehr!

Altersdepression behandeln und erkennen

Für viele ältere Menschen kann Einsamkeit und Isolation zu depressiven Verstimmungen führen. Oft werden diese jedoch als „Alterszipperlein“ abgetan und die Altersdeppression behandeln zu lassen, scheint Betroffenen und Angehörigen oft übertrieben. Wir haben uns mit Experten unterhalten, um Sie über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Ebenfalls Elke Schilling, die Initiatorin des Silbernetz-Vereins, haben wir zu dem Thema Altersdepression befragt.

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Prof. Ulrich Hegerl (Deutsche Depressionshilfe)

Prof. Ulrich Hegerl ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Darüber hinaus leitet er das Deutsche Bündnis gegen Depression und die European Alliance Against Depression.

Welche Symptome können bei einer Altersdepression auftreten?

Die Kernsymptome einer Depression sind bei Männern und Frauen ähnlich. Es kommt zu Antriebsstörungen, Schlafstörungen und zu Schuldgefühlen; die betroffene Person macht sich Sorgen, dass er oder sie anderen Menschen zur Last fällt. Dazu kommt Hoffnungslosigkeit, das Gefühl „es gibt keinen Ausweg“ aus der Situation. Konzentrationsstörungen können ebenfalls auftreten und die Person leidet oft auch an Appetitlosigkeit. Besonders am Morgen ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt.

Viele Depressionen werden von den Betroffenen, den Angehörigen und manchmal auch von Hausärzten als Reaktion auf körperliche Erkrankungen oder andere schwierige Lebensumstände und nicht als eigenständige Krankheit aufgefasst und somit oft nicht konsequent behandelt. Unbehandelte Depressionen erhöhen das Suizid-Risiko und gehen mit großem Leiden einher. Daher ist es sehr wichtig, dass Senioren, die Symptome einer Depression aufweisen, diagnostiziert und behandelt werden. Die erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein, der mögliche körperliche Leiden ausschließt, die zu ähnlichen Symptomen führen können.

Wer ist der richtige Facharzt für Menschen, die an Depressionen leiden?

Um die Diagnose stellen zu lassen, kann man auch direkt zum Facharzt, d.h. zum Psychiater oder Nervenarzt gehen. Dieser kann dann mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie behandeln. Psychotherapie wird auch von Psychologen mit Spezialausbildung, den sogenannten Psychologischen Psychotherapeuten, angeboten.

Der Facharzt erkundigt sich im Gespräch nach früheren depressiven Krankheitsphasen, da eine Depression meist eine wiederkehrende Erkrankung ist. Er fragt auch nach Krankheitszeichen, die dafürsprechen, dass eine depressive Erkrankung und nicht nur eine Reaktion auf die Bitternisse des Alters vorliegt. Z.B. berichten Patienten in der Depression davon, keine Gefühle mehr empfinden zu können. Der Fachausdruck ist „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Die Menschen fühlen sich „innerlich“ wie abgestorben. Auch eine innere Daueranspannung spricht für eine Depression.

Wie kann man Altersdepression behandeln?

Eines ist klar, Altersdepression behandeln ist nicht ganz einfach. Den über 60-jährigen Patienten wird nur sehr selten eine Psychotherapie angeboten. Ältere Menschen werden hier benachteiligt. Um diese Engpässe zu reduzieren oder Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz zu überbrücken, können Online-Tools eingesetzt werden, über die Betroffene lernen, besser mit der Erkrankung umzugehen. Die Nutzung solcher digitaler Hilfen sollte aber von Ärzten oder Psychologischen Psychotherapeuten begleitet werden. Es gibt beispielsweise das iFightDepressionTool, ein Online-Angebot der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Mit diesem Tool kann man beispielsweise eine leichtere Altersdepression behandeln. Es ist an die kognitive Verhaltenstherapie angelehnt und bietet Übungen für den Alltag. Wir sehen diese digitalen Hilfen aber nicht als Alternative zu einer face-to-face-Psychotherapie oder einer medikamentösen Behandlung an, sondern als Ergänzung. Das iFightDepression Tool ist in 11 Sprachen vorhanden, inclusive einer arabischen Version.

Weitere Information zu diesem Thema finden Sie in unserem Beitrag: „Altersdepression – So entsteht sie und das können Angehörige tun„.

Altersdepression behandeln: was sind die Kernsymptome?

Die Krankheit Depression ist nicht einfach nur mit Serotoninmangel gleichzusetzen oder dem Fehlen von ausreichend Dopamin. Es handelt sich vielmehr um eine sehr komplexe Erkrankung der Psyche eines Menschen, der menschlichen Seele. Leider hat die Depression in unserer Gesellschaft ein schlechtes Image und ist zumeist mit Scham behaftet. Viel zu oft bleiben Anzeichen der Depression deshalb unentdeckt und Betroffene sind nicht gewillt, die Altersdeppresion behandeln zu lassen. (…) Die Depression hat viele Gesichter. So verschieden wie wir Menschen sind, so verschieden ist auch die Ausprägung einzelner Beschwerden und Anzeichen. Ebenfalls unterscheiden sich die Depressionssymptome stark. Die Leitsymptome (Kernsymptome) der Depression sind allerdings:

  • gedrückte Stimmung
  • Lust-, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Dazu können noch weitere Symptome auftreten – von Schlafstörungen, über Appetit- oder Gewichtsverlust über Aufmerksamkeitsstörungen und viele weitere, die ich auf meinem Blog näher erläutere.

Dauerhafte seelische Niedergeschlagenheit gehört in ärztliche Hände, denn (…) eine gesicherte Diagnose der Depression kann nur ein Facharzt stellen. Das ist in diesem Fall der Facharzt für Psychiatrie, kurz der Psychiater. (…) Wer sich nicht sicher ist, ob er eine psychiatrische Praxis aufsuchen sollte, kann sich mit einem kostenlosen Depressionstest online vorab einen ersten Eindruck verschaffen. Diese Tests ersetzen keine fachärztliche Diagnose, können aber einen Arztbesuch anraten oder im anderen Fall, wenn keine depressiven Anzeichen vorliegen, Entwarnung geben.

Benno Blues von was-ist-depression.net

Mein Name auf meinem Blog über Depressionen ist Benno Blues. Hier zu lesen sind Auszüge aus meinem Blog. Ich bin von Beruf Techniker, seit 2009 aber vorzeitig in Rente – eben wegen meiner Depressionen. 2018 habe ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie abgeschlossen und helfe nun anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer seelischen Probleme in eigener Praxis.

Altersdepression behandeln mit Hilfe von Online-Tools

Welchen Nutzen hat das Online-Programm „Selfapy“ für Menschen, die ihre Altersdepression behandeln wollen?

Das Online-Programm von Selfapy ist für Menschen mit psychischen Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen entwickelt worden. Unser Depressionskurs richtet sich allgemein an depressive Nutzer, kann aber auch besonders für ältere Menschen sehr hilfreich sein: Wer an einer Altersdepression leidet, ist häufig nicht so mobil. Da kann Selfapy im ersten Schritt helfen, denn unsere Online-Kurse können auch ganz flexibel von zuhause aus genutzt werden. Im zweiten Schritt gibt der Depressionskurs Werkzeuge an die Hand, die dem Betroffenen trotz seiner Lage helfen können, seine Situation zu verbessern.

Alle unsere Programme werden durch regelmäßige Telefonate mit unseren klinischen Psychologen (oder über Chat) begleitet. Zudem werden Übungen bearbeitet und Methoden eingesetzt, die helfen, eigene Ressourcen – beispielsweise Humor, Optimismus oder Hobbies – zu identifizieren und diese wieder wahrzunehmen. Sehr wahrscheinlich tut auch einfach der Kontakt zu anderen Menschen gut.

Uns ist wichtig, dass jeder, der sich für unser Online-Programm entscheidet, darauf vertrauen kann, dass unsere Kurse wirksam, sicher und flexibel in der Nutzung sind.

Wie kann das Online-Programm in der Behandlung von Menschen mit Depression eingesetzt werden – welche Features werden von betroffenen Personen besonders oft wahrgenommen und füllen diese eine Lücke, die auf dem Offline-Markt besteht?

Mithilfe von Online-Programmen wie Selfapy können Menschen mit Depressionen die Wartezeit auf einen ambulanten oder stationären Therapieplatz überbrücken und erhalten niedrigschwellige Unterstützung. Dadurch bekommen sie kurzfristig Rückhalt und sind nicht auf sich allein gestellt, bis sie ihren Therapieplatz antreten können. Viele Betroffene haben außerdem Angst vor Stigmatisierung. Durch das Angebot, ein Online-Programm absolvieren zu können, sinkt die Hemmschwelle, sich überhaupt Hilfe zu suchen. Alle unsere Programme werden von unseren Psychologen per Nachrichtenfunktion begleitet. Für eine intensivere Betreuung werden häufig die Pakete gebucht, bei denen unsere Nutzer zusätzlich eine persönliche telefonische Begleitung durch unsere Psychologen erhalten.

In welchen Fällen würden Sie die App nicht empfehlen?

Für Patienten, die beispielsweise suizidal sind, an Schizophrenie oder einer bipolaren Störung leiden, ist unser Online-Programm nicht geeignet. Das gilt generell für schwere psychische Belastungen, denn bestimmte Symptome lassen sich nur in einer Klinik und mit persönlicher Betreuung vor Ort effektiv behandeln. Menschen, auf die solche eher schwerwiegenden Symptome zutreffen, empfehlen wir eine stationäre Versorgung.

Farina Schurzfeld von Selfapy

Farina Schurzfeld ist Mitgründerin von Selfapy, Deutschlands erstem Anbieter für Online-Programme bei psychischen Belastungen. Sie lebte lange Zeit in Australien, wo sie als Teil des Gründungsteams von Groupon und General Manager von Airtasker (Sydney/ NYC) arbeitete. Sie gründete außerdem Sydneys größten Co-Working Space TSL, der heute mehr als 400 Mitglieder hat. Farina hat einen M.Sc. in Betriebswirtschaft und wurde 2017 in die “Top 30 under 30” Forbes-Liste gewählt.

Elke Schilling vom Verein Silbernetzt e.V.

Elke Schilling ist 75 Jahre alt und Vorstandsvorsitzende des Vereins Silbernetz e. V., Silbernetz-Initiatorin und Projektleitung der Startphase. Die Dipl.-Mathematikerin und Organisationsberaterin ist ehemalige Vorsitzende der SeniorInnenvertretung Berlin Mitte und war von 1994 bis 1998 Staatssekretärin für Frauenpolitik des Landes Sachsen-Anhalt. Sie wurde in den vergangenen zwölf Jahren als ehrenamtliche Mitarbeiterin an einem Krisentelefon und als Seniorenvertreterin in Berlin Mitte mit den Problemen der Vereinsamung älterer Menschen konfrontiert. 2014 reiste sie nach London und lernte dort die Silver Line kennen. Danach suchte und fand sie Verbündete, mit denen sie nach diesem Vorbild das Silbernetz aufbaute.

Altersdepression behandeln: Was macht Silbernetz?

Wir bieten älteren Menschen, die einsam sind, ein offenes Ohr. Sie können uns anrufen und haben dann jemanden, mit dem sie sich über Alltagsprobleme unterhalten können, denn das fehlt den meisten.

Wir bieten einen dreistufigen Service an. Zum einen gibt es die Hotline, die von 8 bis 22 Uhr besetzt ist. Dort arbeiten geschulte Mitarbeiter, die einfach nur zum Zuhören da sind. Momentan erhalten wir 40 bis 50 Anrufe pro Tag. Dieser Service ist anonym für beide Seiten. Über Berlin hinaus ist die 0800 470 80 90 jetzt auch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erreichbar. Damit sind jetzt die Kapazitäten des „Silbertelefon-einfachmalreden“ in der Telefonzentrale in Berlin ausgeschöpft.

Möchte jemand regelmäßigen, persönlichen Kontakt, gibt es das Angebot, dass Senioren einmal in der Woche angerufen werden. Unsere „Silbernetzfreunde“, die wöchentlich mit „ihren“ Senioren telefonieren, sind zwischen 20 und 87 Jahre alt und arbeiten ehrenamtlich. Das bieten wir jetzt schon seit über einem Jahr an. So eine langfristige „Telefonbeziehung“ schafft viel Vertrauen.

Die dritte Stufe unseres Angebots ist, dass wir Senioren telefonisch auf Veranstaltungen in ihrer Nähe aufmerksam machen. Das können Unterhaltungsangebote sein, aber auch Info-Nachmittage oder Anlaufstellen zu einem Problem, über das man vielleicht vorher gesprochen hat. Welche Informationen wir im Einzelfall anbieten, hängt also immer vom persönlichen Gespräch ab. Beispielsweise klären wir auch über Beratungsangebote oder über Unterstützungsangebote auf, von denen die Senioren gar nicht wussten, die aber ihr Leben stark erleichtern könnten. Das können Mobilitätshilfsdienste oder kostenlose Beratungsangebote zu Leistungen der Pflegeversicherung sein.

Oft sind die Senioren nicht an der Informationsquelle – wo beispielsweise Flyer ausliegen. Auch diejenigen, die online sind, wissen oft nicht, wonach genau sie suchen müssen, um die richtigen Angebote zu finden. Hier unterstützen wir und schlagen Brücken.

Für wen ist das Angebot „Silbernetzfreunde“ interessant?

Wir helfen älteren Menschen, die allein wohnen und nicht mehr so oft unter Leute gehen, beispielsweise, weil der Partner verstorben ist. Dann fehlt auf einmal das Gegenüber, mit dem man jahrelang den Alltag geteilt hat. Die Senioren, die bei uns anrufen, wollen jemanden zum Reden, um einfach mal abzuladen. Aber sie suchen nicht zwingend den persönlichen Kontakt, daher ist das telefonische Angebot genau richtig. Unsere Mitarbeiter an der Hotline, aber auch die Silbernetzfreunde, werden von uns ausgebildet. Ein paar Grundvoraussetzungen wie Empathie und Einfühlungsvermögen sollten sie natürlich auch mitbringen.

Das Angebot soll auf andere Bundesländer ausgebaut werden

Momentan kann man uns aus dem Festnetz aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erreichen, über Handy rufen uns schon jetzt Senioren aus Hamburg, Hessen und anderen Teilen Deutschlands an. In solchen Fällen können wir natürlich nicht mit speziellen, ortsbezogenen Informationen dienen, aber wir können Aufklärungsarbeit leisten, auf Anlaufstellen hinweisen und so die Angst nehmen, beim Sozialamt anzurufen. Wenn man am Telefon erklärt, dass das Sozialamt in jeder Stadt ein Referat für Senioren hat und dass man dort Fragen stellen kann und sehr gut beantwortet bekommt, sinkt die Hemmschwelle. Wir arbeiten daran, unseren Service für weitere Bundesländer auszubauen.

Wir hoffen, diese Information ist nützlich, einem geliebten Menschen zu helfen und Auswege zu zeigen.

Foto Credit Elke Schilling: camcop media Andreas Klug

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