Libify Magazin | Pflege und ein glückliches Leben im Alter

Finanzierung im Alter - so funktioniert's

Geschrieben von libify | Aug 13, 2025 11:15:00 AM

Mit dem Ruhestand beginnt ein neuer Lebensabschnitt - auch finanziell. Während zuvor meist das Gehalt die verlässliche Einkommensquelle war, tritt nun die Rente in Kraft. Doch welche Rentenarten gibt es und welche anderen Einkommensquellen können Sie im Alter entdecken oder nutzen? Wo können Sie viel Geld sparen und wo erhalten Sie Unterstützung?

Diese Fragen erklären wir Ihnen in unserem Artikel rund um die Frage: Finanzierung im Alter.

Gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist die zentrale Säule der deutschen Altersvorsorge und versorgt alle, die das Rentenalter erreicht haben. Sie fußt auf dem sogenannten Umlageverfahren: Die Rentenversicherungsbeiträge, die aktuell gezahlt werden, fließen direkt in die Rentenauszahlung ein. Wer zahlt, legt also nicht Geld an, sondern erhält den Gegenwert der gezahlten Beiträge als Rentenpunkte. Die Menge an Rentenpunkten errechnet sich dabei aus dem Verhältnis des eigenen Einkommens zum Durchschnittseinkommen.

Wer in Rente geht, erhält den Gegenwert der bis dahin erworbenen Rentenpunkte. Dafür werden die Rentenpunkte mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Für Renten ab Juli 2026 gilt ein aktueller Rentenwert von 42,52 Euro pro Rentenpunkt. Zusätzlich gilt das Rentenniveau, das beschreibt, in welchem Verhältnis die Standardrente zum Durchschnittsverdienst steht. Es liegt weiterhin bei mindestens 48 Prozent.

Wie hoch die eigene Rente sein wird, erfahren Sie von der Deutschen Rentenversicherung, die regelmäßig Bescheide über den aktuellen Rentenpunktestand und der voraussichtlichen Rente verschickt. 

 

Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine zusätzliche Versorgungsleistung, die von Unternehmen freiwillig oder aufgrund tariflicher Regelung gezahlt wird. Die spätere Betriebsrente ist grundsätzlich steuerpflichtig. Je nach Versicherungsstatus können außerdem Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen.

Die Art der Altersvorsorge variiert, so kann sie z.B. eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse oder -fonds sein. Am häufigsten kommt die Entgeltumwandlung zum Tragen, bei der ein Teil des Bruttogehaltes direkt in die Altersvorsorge eingezahlt wird, wodurch das zu versteuernde Einkommen sinkt und somit unmittelbar Abgaben senkt. Bei der Entgeltumwandlung können Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge bis zu bestimmten Grenzen steuer- und sozialabgabenfrei sein. Sozialabgabenfrei sind in der Regel bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. 2026 entspricht das bis zu 338 Euro monatlich. Arbeitgeber müssen einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent leisten, wenn sie durch die Entgeltumwandlung selbst Sozialabgaben einsparen.

 

Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge ergänzt die gesetzliche Rente durch flexible Einsparungsmöglichkeiten, die sich individuell an die Lebenssituation und Einkommen anpassen lassen. Die bekanntesten dabei sind die Riester-Rente und die Rürup-Rente, die auch staatlich gefördert werden, und private Rentenversicherungen, Rentenfonds und Sparpläne mit ETFs. Die nicht staatlich geförderten Fonds bieten dabei höhere Renditen, aber sind auch deutlich risikoreicher. 

Allgemein gilt dabei: Je früher man in eine private Altersvorsorge einsteigt, desto größer ist der erreichte Zinseszinseffekt, selbst bei kleineren Beiträgen. Am einfachsten lassen Sie sich früh bei unabhängigen Stellen wie den Verbraucherzentralen beraten, welche Vorsorge für Sie und Ihre Einkommenssituation die richtige ist.

 

Immobilieneigentum im Alter

Wohnen im Alter ist eine eigene Herausforderung, da mit zunehmender Pflegebedürftigkeit auch neue Bedingungen an die eigene Wohnung geknüpft werden. Zudem kann eine Miete, für die das Einkommen gereicht hat, bisweilen die Rente stärker fördern. Liegt Immobilienbesitz vor, sollten daher zum Renteneintritt etwaige Kredite abbezahlt sein, um nicht in Zahlungsverzug zu geraten.

Selbstnutzung der Immobilie

Meist wird auch im Alter eine Eigentumswohnung oder ein Familienhaus weiterhin selbst bewohnt. Nicht nur sind die Räume voller schöner Erinnerungen, sondern durch das Eigentum sparen Sie sich die Mietzahlung und haben mehr von Ihrer Rente. Auch steigt je nach Wohnort der Wert Ihrer Immobilie mit jedem Jahr, sodass ein Abwarten eines Verkaufs sich durchaus lohnen kann. 

Allerdings sollten Sie nicht die anfallenden laufenden Kosten unterschätzen, sondern von Ihrer Rente decken können. Ebenso wichtig ist die Frage eines barrierefreien Umbaus, für den Sie bei den Pflegekassen auch einen Zuschuss beantragen können. 

Eigentum vermieten

Eine Eigentumswohnung zu vermieten ist eine stabile Einkommensquelle im Ruhestand, insbesondere auch dann, wenn eine Eigennutzung aufgrund Ihres Gesundheitszustandes oder der Entfernung von pflegenden Angehörigen für Sie nicht mehr in Frage kommt. Allerdings fallen für Vermieter Kosten für die Verwaltung und die Instandhaltung an, zudem sind die Mieteinnahmen steuerpflichtig. Daher ist es ratsam, einen Teil des Einkommens als Rücklage zu nutzen. Vorab sollten Sie auch prüfen, ob eine realistische Miete abzüglich der Kosten und Rücklagen für Sie als Einkommen dienlich ist oder der Verwaltungsaufwand nicht aufwiegt.

Schenken statt vererben

Mit dem Ruhestand kommt auch für viele die Überlegung um das Erbe. Denn gerade bei Immobilienbesitz ist es oft profitabler, schon zu Lebzeiten diesen an Kinder oder Enkelkinder zu übertragen, statt es zu vererben. Das hat steuerliche Vorteile, aber auch praktische: Entweder bleiben Sie selber durch ein vereinbartes lebenslanges Wohnrecht dort oder, gerade bei Einfamilienhäusern üblich, das Haus kann wieder durch eine junge Familie genutzt werden, die den Platz braucht. Eine Schenkung sollte aber immer notariell geregelt werden und nur nach gründlicher fachlicher Beratung und gemeinsamen Gesprächen, wie mit der Immobilie weiter verfahren werden soll. Wenn Sie mehr über Ihre Möglichkeiten wissen wollen, lesen Sie unseren Artikel: Haus vererben oder verkaufen - Was passiert mit dem Besitz im Alter?

Im Ruhestand hinzuverdienen

Im Ruhestand weiterzuarbeiten, ist für viele Menschen attraktiv – sowohl aus finanzieller Sicht als auch, um aktiv zu bleiben und den gewohnten Alltag nicht ganz aufzugeben. Grundsätzlich dürfen Sie unbegrenzt hinzuverdienen, wenn Sie eine Altersrente beziehen. Das gilt seit 2023 auch für vorgezogene Altersrenten: Die frühere Hinzuverdienstgrenze ist weggefallen, sodass die Altersrente durch zusätzlichen Verdienst grundsätzlich nicht gekürzt wird.

Seit 2026 gibt es mit der sogenannten Aktivrente einen weiteren steuerlichen Vorteil: Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Was dabei gilt und welche Grenzen je nach Rentenart weiterhin wichtig sind, erklären wir im Beitrag zum Hinzuverdienst für Rentner.

Der Hinzuverdienst kann trotzdem steuer- und sozialversicherungspflichtig sein. Ob weiterhin Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden und ob sich dadurch zusätzliche Rentenansprüche ergeben, hängt vom jeweiligen Beschäftigungsmodell ab.

Staatliche Unterstützung im Alter

Aus verschiedenen Gründen kann es vorkommen, dass die Rente im Alter nicht ausreicht, um das Existenzminimum zu sichern. Das liegt in der Regel daran, dass über die Jahrzehnte keine Rentenpunkte erwirtschaftet wurden, weil z.B. Kinder großgezogen wurden, kommt aber auch bei Selbstständigen ohne Rücklagen vor. In diesem Fall greift der Staat unterstützend ein und zahlt Zuschüsse oder eine Grundsicherung, um Altersarmut zu verhindern. 

Grundsicherung im Alter

Die Grundsicherung ist eine Leistung des Sozialamtes und wird allen gewährt, deren Einkommen und Vermögen unterhalb einer festgelegten Grenze liegen. Mehr dazu in unserem Artikel: Grundsicherung im Alter – Zahlen & Informationen im Überblick. Die Höhe richtet sich dann nach verschiedenen Faktoren, die vor allem durch lokale Datenpunkte wie der Mietspiegel bestimmt werden. Sie deckt pauschal die Lebenshaltungskosten ab, die Wohnung und gegebenenfalls Zusatzbedarfe wie Pflegemittel, die nicht von der Pflegekasse getragen werden. 
Weitere Informationen dazu, ob Sie vielleicht berechtigt sind Grundsicherung zu beantragen, finden Sie in unserem Artikel: Grundsicherung, was das ist & wie du sie beantragen kannst

Wohngeld und weitere Zuschüsse

Wohngeld können alle diejenigen erhalten, die keinen Anspruch auf Grundsicherung haben, aber dennoch nur eine kleine Rente beziehen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass nicht nur Mietwohnungen davon abgedeckt sind, sondern auch in bestimmten Fällen Wohngeld für Eigentumswohnungen beantragt werden kann. Neben dem Wohngeld gibt es zudem separate Zuschüsse zu Heiz- und Energiekosten. 

 

Finanzierung der Pflege im Alter

Die Pflegebedürftigkeit steigt in der Regel mit dem Alter an und beansprucht dann auch einen großen finanziellen Beitrag. Ein großer Teil der Kosten für Pflegeleistungen wird daher von der gesetzlichen Pflegeversicherung gedeckt, dennoch müssen Eigenanteile und Zusatzleistungen selbst getragen werden. Die Höhe hängt dabei von der jeweiligen Leistung ab. 

Wer diese Kosten nicht selbst zahlen kann, ist berechtigt, einen Antrag auf Hilfe zur Pflege beim Sozialamt zu stellen. Dieses zieht allerdings zuerst unterhaltspflichtige Kinder heran, sofern diese mehr als den gesetzlichen Freibetrag verdienen.

 

Weitere Einkommensquellen & Spartipps

Neben den häufigsten Einkommensquellen im Alter wie der Rente oder Vermietung sind für ein gutes Auskommen auch die Kombination von Einkommen und klugen Vorsorge- und Ausgabe-Entscheidungen wichtig. Hier können schon kleine Maßnahmen spürbare Effekte bringen, die die finanzielle Situation deutlich verbessern. 

Einkommen durch Kapitalerträge

Kapitalertrag ist ein Sammelbegriff für alle möglichen Arten von Sparguthaben oder Investitionen wie Anleihen, Aktien und Fonds. Üblicherweise investieren Sie dabei über die Jahrzehnte zunehmend und profitieren schon währenddessen oder im Alter durch die Auszahlung. Besonders attraktiv dabei ist der steuerfreie Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €, auf alles darüber hinaus zahlen Sie 25 % Abgeltungssteuer. 

Geldanlagen können aber auch ein hohes Risiko mit sich bringen, weswegen Sie sich mindestens zu Beginn umfassend beraten lassen sollten, welche Anlage für Ihren Ruhestand am geeignetsten ist.

Altersarmut vorbeugen

Altersarmut ist keine Seltenheit und oft die Folge von langen Phasen der Teilzeitbeschäftigung, Erwerbslosigkeit oder Beschäftigung im Niedriglohnsektor. Umso wichtiger ist es daher, frühzeitig und regelmäßig für den Ruhestand vorzusorgen, auch mit kleinen Beträgen. 

Der wichtigste Faktor dabei ist, informiert zu sein, welchen Anspruch Sie auf welche staatliche Unterstützungsleistung haben, welche Geldanlage für Sie sinnvoll ist und auf welche Kosten Sie sich im Alter typischerweise einstellen müssen. 
Daher finden Sie alles rund um das Thema Vermeidung von Altersarmut in unserem Artikel: Altersarmut in Deutschland – Ursachen und Vorsorgemöglichkeiten

Spartipps für das Alter

Nicht nur das Einkommen ist für das verfügbare Geld zuständig, sondern auch eine wohlüberlegte Ausgabestrategie kann deutlich zum Haushaltsbudget beitragen. Häufig sind es auch nur kleine Handgriffe, die zählbar den Unterschied machen. So lassen sich teilweise dreistellige Beträge im Jahr durch regelmäßige Preisvergleiche für Anbieter von Strom, Gas, Internet und dem Telefon- oder Handyvertrag sparen, ebenso der regelmäßige Checks auf nicht genutzte Abonnements.

Nicht immer muss alles neu gekauft werden, gerade bei Elektrogeräten kann eine Reparatur oder auch der Kauf eines gebrauchten Gerätes signifikant Geld sparen bei gleicher Leistung. 

Im Seniorenalter erhalten Sie außerdem an vielen Stellen spezielle Seniorenrabatte - Nachfragen lohnt sich.

Besonders sparen Sie außerdem, wenn Sie aktiv Energie sparen. Durch gezieltes Lüften, Optimierung der Heizleistung und technische Hilfen wie Smart Thermostate können Sie oft die Heizkosten deutlich senken, ohne befürchten zu müssen zu frieren. Mit Tools wie einem Balkonkraftwerk können Sie außerdem viel Strom kostenfrei selbst erzeugen und so gezielt sparen. 

Mehr Spartipps finden Sie in unserem Artikel: Heizkosten sparen: 10 Tipps, um Energie und Geld zu sparen.

 

Fazit

Um sich im Alter keine Sorgen um die Finanzen machen zu müssen, sollten Sie sich frühzeitig über Ihre Vorsorgeoptionen beraten lassen und sich auch immer wieder mit dem Thema während Ihrer Erwerbszeit beschäftigen. Gut geplant können Sie der Rente gelassen und abgesichert entgegensehen, denn oft ist gerade die Kombination von Vorsorgemodellen und Ergänzungszahlungen ideal. Scheuen Sie sich auch nicht, staatliche Leistungen oder Zuschüsse der Pflege- und Krankenversicherungen geltend zu machen. 


Häufig gestellte Frage