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Pflegereform 2027: Änderungen, Pflegegeld und aktueller Stand

Geschrieben von Stefan Dietzel | Oct 5, 2026, 12:03:00 PM

Die Pflegereform 2027 soll die Pflegeversicherung finanziell stabilisieren, pflegende Angehörige entlasten und Leistungen einfacher zugänglich machen. Vorgesehen sind unter anderem neue Pflegebudgets, mehr Prävention und digitale Zugänge.

Neu ist der Verfahrensstand: Am 30. September 2026 hat das Bundeskabinett den Regierungsentwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz, kurz PNOG, beschlossen. Endgültig beschlossen ist die Reform damit noch nicht. Bundestag und Bundesrat können die Regelungen im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch verändern.

Der Regierungsentwurf unterscheidet sich in mehreren wichtigen Punkten vom Referentenentwurf aus dem Juni 2026. Ältere Angaben zur Halbierung des Pflegegeldes, zu Rentenbeiträgen pflegender Angehöriger, zum Kinderlosenzuschlag und zur Leistungsdynamisierung sind deshalb teilweise überholt.

Aktueller Status

Das Pflegeneuordnungsgesetz ist ein vom Bundeskabinett beschlossener Regierungsentwurf, aber noch kein geltendes Recht. Verbindliche Ansprüche entstehen erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und dem Inkrafttreten der jeweiligen Vorschriften.

Thema Status Einordnung
Pflegeneuordnungsgesetz Regierungsentwurf Kabinett am 30. September 2026; parlamentarisches Verfahren offen
Neue Pflegebudgets Geplant Wesentliche Änderungen ab 2027 vorgesehen
Neue Schwellenwerte Geplant Bestandsschutz für bereits anerkannte Pflegegrade
Pflege-Cockpit Geplant Grundfunktionen bis Juli 2028, Ausbau bis Januar 2030
Pflegebegleitung Geplant Start nach dem Entwurf am 1. Januar 2029
Pflegefachassistenz Beschlossen Bundeseinheitliche Ausbildung ab 1. Januar 2027
Erweiterte Pflegebefugnisse Beschlossen Wesentliche Regelungen seit 1. Januar 2026 in Kraft

Warum ist eine Pflegereform notwendig?

Immer mehr Menschen benötigen Pflege, während die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung stärker steigen als ihre Einnahmen. Gleichzeitig erleben viele Familien das bestehende System als kompliziert. Leistungen müssen teilweise getrennt beantragt und abgerechnet werden, Ansprechpartner fehlen und kurzfristige Unterstützung ist oft schwer zu finden.

Nach Angaben der Bundesregierung leben inzwischen mehr als sechs Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland. Ohne Gegenmaßnahmen wird für 2027 ein rechnerisches Defizit der sozialen Pflegeversicherung von rund 7,6 Milliarden Euro erwartet, für 2028 von mehr als 15 Milliarden Euro. Der allgemeine Beitragssatz soll dennoch bei 3,6 Prozent bleiben.

Was soll sich beim Pflegegeld 2027 ändern?

Das Pflegegeld soll nach dem aktuellen Regierungsentwurf nicht abgeschafft werden. Im Gesetzestext bleibt der Begriff ausdrücklich erhalten. Neu ist, dass sich seine Höhe nach einem sogenannten Entlastungsbudget richten soll.

Die geplanten Beträge liegen über dem 2026 geltenden Pflegegeld:

Pflegegrad Pflegegeld 2026 Geplantes Entlastungsbudget
Pflegegrad 2 347 Euro 380 Euro
Pflegegrad 3 599 Euro 630 Euro
Pflegegrad 4 800 Euro 890 Euro
Pflegegrad 5 990 Euro 1.080 Euro

Auch die ambulanten Pflegesachleistungen sollen in ein Sachleistungsbudget überführt und erhöht werden:

Pflegegrad Pflegesachleistung 2026 Geplantes Sachleistungsbudget
Pflegegrad 2 796 Euro 890 Euro
Pflegegrad 3 1.497 Euro 1.590 Euro
Pflegegrad 4 1.859 Euro 2.090 Euro
Pflegegrad 5 2.299 Euro 2.530 Euro

Die höheren Monatsbeträge sind Teil einer umfassenden Neuordnung. Mittel aus bisherigen Leistungen, insbesondere aus der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, sollen auf mehrere Budgets verteilt werden. Eine höhere Monatsleistung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jede Familie insgesamt mehr Geld erhält.

Wird das Pflegegeld in den ersten drei Monaten halbiert?

Nein, zumindest nicht nach dem aktuellen Regierungsentwurf.

Der Referentenentwurf vom Juni 2026 sah noch vor, dass Menschen mit einem erstmals festgestellten Pflegegrad 2 oder 3 zunächst nur die Hälfte des neuen Entlastungsbudgets erhalten. Diese Kürzung findet sich im Kabinettsentwurf vom 30. September 2026 nicht mehr. Vorgesehen sind stattdessen zusätzliche Beratungsmöglichkeiten in den ersten drei Monaten.

Wird Pflegegrad 1 abgeschafft?

Nein. Alle fünf Pflegegrade sollen bestehen bleiben. Für neue Einstufungen sollen die Schwellenwerte jedoch steigen:

Pflegegrad Derzeitige Schwelle Geplante Schwelle
Pflegegrad 1 ab 12,5 Punkten ab 15 Punkten
Pflegegrad 2 ab 27 Punkten ab 30 Punkten
Pflegegrad 3 ab 47,5 Punkten ab 50 Punkten
Pflegegrad 4 ab 70 Punkten unverändert
Pflegegrad 5 ab 90 Punkten unverändert

Damit könnten Personen mit leichteren Beeinträchtigungen künftig schwerer einen Pflegegrad erhalten. Für bereits anerkannte Pflegegrade sieht der Regierungsentwurf Bestandsschutz vor: Niemand soll seinen Pflegegrad allein wegen der neuen Schwellenwerte verlieren.

Was ist beim Entlastungsbetrag geplant?

Der zweckgebundene Entlastungsbetrag beträgt derzeit in allen Pflegegraden bis zu 131 Euro monatlich. Der Regierungsentwurf sieht folgende Neuordnung vor:

  • In Pflegegrad 1 soll der Entlastungsbetrag entfallen. Stattdessen sind Beratung, Präventionsangebote, Pflegehilfsmittel und weitere präventionsorientierte Leistungen vorgesehen.
  • In den Pflegegraden 2 bis 5 soll ein Sozialraumbudget von bis zu 175 Euro monatlich entstehen.
  • Für Pflegebedürftige unter 25 Jahren soll das Sozialraumbudget bis zu 300 Euro monatlich betragen.

Für häuslich versorgte Personen mit Pflegegrad 1 enthält der Entwurf keinen allgemeinen Bestandsschutz für den bisherigen Entlastungsbetrag. Das wäre für viele Betroffene eine spürbare Verschlechterung.

Was ist das neue Überbrückungsbudget?

Für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 ist ein Überbrückungsbudget von bis zu 2.285 Euro pro Kalenderjahr vorgesehen. Es soll helfen, wenn die häusliche Versorgung kurzfristig nicht gesichert ist, etwa weil die Hauptpflegeperson unerwartet erkrankt oder akut überlastet ist.

Nach dem Regierungsentwurf könnten ab 2027 zunächst bestimmte ambulante Leistungen genutzt werden. Notdienste in der ambulanten Pflege und besondere Akut-Kurzzeitpflegeplätze sollen ab 2028 hinzukommen. Teile der bisherigen Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sollen in die neuen Budgets überführt werden.

Wann kommen Pflegebegleitung und Pflege-Cockpit?

Die neuen Angebote sollen später starten, als der Begriff Pflegereform 2027 vermuten lässt.

Die professionelle Pflegebegleitung ist nach dem Regierungsentwurf für den 1. Januar 2029 vorgesehen. Sie soll Pflegebedürftige und Angehörige beim Aufbau eines tragfähigen Versorgungsnetzes unterstützen, Überlastungen erkennen und bei der Organisation von Leistungen helfen. Bis Ende 2028 sollen die bisherigen Beratungsangebote und Übergangsregelungen weitergelten.

  • Bis 1. Juli 2028 sollen grundlegende Informationen, Leistungsübersichten, Anbieterinformationen und Kommunikationsmöglichkeiten im Pflege-Cockpit verfügbar sein.
  • Weitere Funktionen sollen spätestens bis 1. Januar 2030 folgen.
  • Die Nutzung des digitalen Zugangs soll freiwillig bleiben.

Was soll sich bei den Beiträgen ändern?

Der allgemeine Beitragssatz der sozialen Pflegeversicherung soll bei 3,6 Prozent bleiben. Zusätzliche Belastungen sind jedoch für einzelne Gruppen geplant:

  • Der Kinderlosenzuschlag soll zum 1. Januar 2027 um 0,3 Prozentpunkte von 0,6 auf 0,9 Prozent steigen.
  • Die Beitragsbemessungsgrenze soll um 300 Euro pro Monat angehoben werden. Das betrifft Beschäftigte mit höherem Einkommen.
  • Arbeitgeber sollen ab 2028 auch für Minijobs Beiträge zur Pflegeversicherung zahlen.
  • Für beitragsfrei mitversicherte Ehe- und Lebenspartner ist ab 2028 ein Zuschlag von 0,52 Prozentpunkten vorgesehen. Ausnahmen soll es unter anderem für häuslich Pflegende, Menschen mit voller Erwerbsminderung und bestimmte Familien geben.

Werden die Rentenbeiträge pflegender Angehöriger gekürzt?

Eine pauschale Kürzung ist im aktuellen Regierungsentwurf nicht vorgesehen. Die Pflegeversicherung soll die Rentenversicherungsbeiträge anspruchsberechtigter Pflegepersonen weiterhin vollständig übernehmen.

Beendet werden soll eine besondere Gestaltungsmöglichkeit für Pflegepersonen, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben und durch den Bezug einer nahezu vollständigen Teilrente weiterhin Rentenbeiträge aus der Pflegeversicherung erhalten. Für pflegende Angehörige vor Erreichen der Regelaltersgrenze ändert sich dadurch grundsätzlich nichts.

Steigen die Pflegeleistungen 2028 automatisch?

Nach derzeit geltendem Recht wäre für 2028 noch einmal eine Anpassung der Pflegeleistungen vorgesehen. Der Regierungsentwurf will diese Erhöhung streichen.

Stattdessen sollen die Leistungsbeträge ab 2029 jedes Jahr angepasst werden. Maßstab soll die durchschnittliche Kerninflation der drei vorhergehenden Kalenderjahre sein. Langfristig könnte das regelmäßige Anpassungen ermöglichen. Kurzfristig würde die für 2028 erwartete Erhöhung jedoch entfallen.

Werden Pflegeheimbewohner durch die Reform entlastet?

Eine feste Deckelung der Eigenanteile oder ein sogenannter Sockel-Spitze-Tausch ist im Regierungsentwurf nicht vorgesehen. Die geplante jährliche Dynamisierung ab 2029 soll den Kostenanstieg lediglich begrenzen.

Die Länder sollen Pflegebedürftige stärker bei den Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen unterstützen. Eine bundesweit einheitliche und verbindliche Entlastung ergibt sich daraus bisher aber nicht. Damit bleibt offen, wie sich die Eigenanteile im Einzelfall entwickeln.

Was können Pflegebedürftige und Angehörige jetzt tun?

Bis neue Vorschriften tatsächlich in Kraft treten, gelten die bestehenden Leistungen weiter. Familien können bereits jetzt:

  • Ansprüche bei der Pflegekasse überprüfen,
  • bei gestiegenem Unterstützungsbedarf eine Höherstufung des Pflegegrades beantragen,
  • eine Pflegeberatung oder einen Pflegestützpunkt nutzen,
  • Entlastungs- und Unterstützungsangebote organisieren,
  • die Wohnung auf Barrieren und Sturzrisiken prüfen und
  • für den kurzfristigen Ausfall der Pflegeperson vorsorgen.

 

Fazit: Regierungsentwurf statt fertiger Pflegereform

Die Pflegereform 2027 ist konkreter geworden, aber noch nicht endgültig beschlossen. Der Kabinettsentwurf sieht höhere Pflege- und Sachleistungsbudgets, ein neues Budget für Pflegenotfälle und einen stärkeren Fokus auf Prävention vor.

Gleichzeitig könnten einzelne Regelungen für bestimmte Pflegebedürftige auch Nachteile mit sich bringen – etwa die höheren Schwellenwerte für neue Pflegegrade, der geplante Wegfall des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 oder die ausbleibende Leistungsanpassung 2028.

Für Pflegebedürftige und Angehörige gilt deshalb: Die geplanten Änderungen frühzeitig kennen, aber bis zum Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens weiterhin mit den aktuell geltenden Ansprüchen rechnen.

Häufige Fragen zur Pflegereform 2027

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 5. Oktober 2026 wieder und dient der allgemeinen Information. Ein Regierungsentwurf kann sich im parlamentarischen Verfahren ändern. Der Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts-, Pflege- oder Sozialberatung.

Quellen