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Umgang mit dem Tod

Umgang mit dem Tod eines Elternteils im Erwachsenenalter

Der Tod eines Elternteils ist in jedem Alter schwer zu ertragen. Bei sehr nahestehenden Familien wie auch in zerstrittenen Verhältnissen ist die Endgültigkeit des Todes eine Veränderung wie kaum eine andere. Meistens ist man bereits erwachsen, wenn die Eltern sterben, steht mit beiden Beinen im Leben und ist vielleicht bereits selber Elternteil geworden.

Im Moment der Trauer ist es dann schwer, Entscheidungen zu treffen und sich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Frage auseinanderzusetzen, wie man mit dem Tod eines Elternteils im Erwachsenenalter umgehen kann. Bestenfalls klären Sie mit Ihren Eltern auch einige Fragen vorab, die Ihnen die Trauerzeit dann erleichtern.

 

Herausforderung Trauer

Trauer kennt kein Verfallsdatum. Ob in den Tagen nach dem Todesfall, beim ersten Familienfest ohne den Verstorbenen oder auch noch Jahre nach dem Verlust: Der Trauerschmerz kann Ihnen immer wieder begegnen. Vor allem dann, wenn man aus verschiedenen Gründen keine Gefühle zulässt beziehungsweise lassen kann.

Emotionaler und körperlicher Schmerz

Trauer ist individuell. Jeder Mensch empfindet und verarbeitet sie anders, weswegen es auch keine “falsche” oder “richtige” Art des Trauerns gibt und auch keine “falschen” oder “richtigen” Gefühle. Zwar drückt sich Trauer meist in Traurigkeit, Verzweiflung und Schmerz aus, jedoch können auch Wut, ein Gefühl von Erlösung oder sogar Schuldgefühle auftreten.

Es ist wichtig, dass Sie sich für kein Gefühl einen Vorwurf machen. Sie entstehen aus unterschiedlichen Situationen und oft wechseln sich verschiedene Gefühle auch ab. Wenn Ihr Elternteil einen schwierigen Krankheitsverlauf hatte und der Tod für ihn auch die Freiheit von Schmerz und Leiden bedeutet, ist es normal, dass dies ein gutes Gefühl bei Ihnen auslöst. Ebenso kann der Tod als Ende eines konfliktträchtigen Verhältnisses Erleichterung bedeuten. Sehen Sie solche Dinge nicht als Urteil über sich oder den Verstorbenen, sondern im Kontext der Situation.

Der Tod hinterlässt eine Lücke im Leben und im Alltag, aber er kann auch eine emotionale Lücke schaffen. Manchmal warten Sie auf Traurigkeit oder irgendein Gefühl, aber Sie scheinen nur Leere zu empfinden. Auch das ist normal und wird als depressive Verstimmung bezeichnet. Verbleibt das Gefühl, sollten Sie aber ärztliche Hilfe aufsuchen, um keine Depression zu entwickeln.

Neben dem emotionalen Schmerz kann Trauer auch körperlich stark empfunden werden. Nicht nur als physischer Schmerz, sondern als Stresssymptom im ganzen Körper kann es auf Ihren Magen-Darm-Trakt schlagen oder sogar Ihr Herz belasten. In extrem seltenen Fällen kann das sogenannte Broken-Hearts-Syndrome entstehen, eine starke, aber temporäre Belastung des Herzens, das in der Symptomatik dem Herzinfarkt ähnelt und vor allem Frauen nach den Wechseljahren betrifft.

Veränderung in der Familiendynamik

Durch den Tod eines Elternteils verändern sich auch Routinen und eingespielte Mechanismen und Dynamiken innerhalb der Familie. Das können Kleinigkeiten sein wie die Tradition, dass die verstorbene Person an Weihnachten für den Kartoffelsalat zuständig war, aber auch elementare Schnittstellen für den Zusammenhalt. Sie werden spüren, wie gewohnte Situationen plötzlich anders verlaufen und auch, wie die verwaisten Aufgaben, die der Verstorbene hinterlässt, durch andere mit neuem, oft anderem Leben gefüllt werden.

Diese neue Situation anzunehmen ist nicht selten schwer, sind die Momente doch so eng mit Erinnerungen verknüpft. Das kann zu Streit führen zwischen den Familienmitgliedern, da jedes Mitglied die neue Situation anders annimmt und verarbeitet. Rufen Sie sich bei diesen Konflikten in Erinnerung, dass Sie gemeinsam trauern und dass viele Konflikte sich nach dieser emotional so anstrengenden Zeit wieder legen werden. 

Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit

Ein Todesfall löst oft Nachdenken über die eigene Sterblichkeit aus. Gerade bei einem erkrankten Elternteil, dessen Gene man im Falle der biologischen Verwandtschaft teilt, kommen Fragen auf, ob man selbst eines Tages erkranken wird. In der Folge kann es auch zu Sorgen über die eigene Gesundheit kommen, die in hoher Aufmerksamkeit für etwaige Symptome resultiert. Das ist normal und nicht beunruhigend, sofern es sich wieder legt.

Man reflektiert aber auch die Lebensjahrzehnte davor und stellt sie auf den Prüfstand mit dem eigenen Leben. Oft bemerken ältere Menschen, was sie bereuen, getan oder unterlassen zu haben, erinnern sich an alte Konflikte und auch alte Erfolge. Bei den Hinterbliebenen entstehen dann die Fragen, was sie selbst im Alter nicht bereuen wollen, welche Konflikte sie noch lösen wollen, welche Ziele sie erreichen wollen. 

Gesellschaftliche Erwartung und Stigmatisierung

Trauer ist individuell, aber noch immer existieren bei manchen Menschen Vorstellungen, was “richtiges” und “falsches” Verhalten dabei ist. Insbesondere wird erwartet, dass Sie schnell wieder zum Alltag übergehen und Ihre Trauer eher für sich verarbeiten. Das Thema Tod ist noch weit verbreitet tabuisiert, da viele Menschen sich einerseits hilflos fühlen gegenüber Trauernden, andererseits sich aber auch selber nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Halten Sie sich daher an diejenigen in Ihrem sozialen Umfeld, die Sie unterstützen und Ihnen empathisch begegnen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder Vorschriften machen, wie Sie mit Ihren Gefühlen und Ihrer Situation umgehen.

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Umgang mit Trauer

Oft werden Modelle wie die 5 Phasen der Trauer als kategorisch postuliert. Doch sollten Sie diese nicht als Anleitung für “richtiges” Bewältigen von Trauer verstehen, sondern nur als Verständnishilfe für Ihre Gefühle und Ihren Weg des Umgangs nutzen. Weder müssen Sie alle Gefühle erleben, die dort beschrieben werden, noch in dieser Reihenfolge.

Akzeptanz

Den Tod eines Elternteils zu akzeptieren, erscheint zunächst ein banaler Rat. Doch dies umfasst viele verschiedene Gefühle, mit denen Sie ins Reine kommen sollten. Akzeptanz bedeutet z.B., ungelöste Konflikte innerlich zu beenden, obwohl Dinge unausgesprochen blieben. Es bedeutet auch, sich keine Vorwürfe zu machen, weil Sie vielleicht öfter hätten zum Besuch kommen können oder sich noch für etwas entschuldigen wollten. 

Selbstfürsorge

Einen Elternteil zu verlieren ist schmerzhaft und einschneidend, selbst, wenn es Erlösung von schwerem Leid oder das Ende eines völlig zerrütteten Verhältnisses bedeutet. Diesen Schmerz können Sie sich immer zugestehen und sollten Sie immer verarbeiten. Selbstfürsorge bedeutet, dass Sie sich um sich kümmern und dies auch priorisieren.

Es bedeutet ebenso, dass Sie auf sich mindestens ebenso viel achten wie auf andere. Sie trauern als Familie gemeinsam und unterstützen sich idealerweise gegenseitig, aber dies darf nicht auf Kosten einzelner Personen gehen. 

Professionelle Hilfe

Es ist leider immer noch sehr stigmatisiert, sich professionelle ärztliche oder seelsorgerische Hilfe zu holen, wenn es um die Bewältigung von Trauer geht. Doch sind diese genau für diese Fälle auch ausgebildet und bieten Hilfe an.

Wer Ihnen am besten hilft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wenn Sie Trost in Religion oder Spiritualität finden, finden Sie in Kirchen seelsorgerische Kräfte, die Sie unterstützen und begleiten. Manchmal ist dies auch hilfreich, wenn nicht Sie, sondern der Verstorbene einen festen Glauben hatte und Vertreter dieses Glaubens Sie in der Trauer und auch in der Beerdigung begleiten, so wie es die Verstorbene gewollt hätte.

Viele Sozialverbände bieten Selbsthilfegruppen für trauernde Angehörige in jeder Situation an. Für viele ist es tröstlich, mit anderen zu sprechen, die denselben Schmerz erlebt haben und ähnliche Fragen und Sorgen mit sich tragen.

Die Hausarztpraxis ist ebenfalls ein Anlaufpunkt für Hilfe. Nicht nur steht man Ihnen hier zur Seite, Sie können auch ein Attest für die Trauerzeit erhalten, wenn Sie nicht arbeitsfähig sind. Ebenso stellt man hier gegebenenfalls beginnende Depressionen fest oder unterstützt die Trauerarbeit vorübergehend mit Antidepressiva oder Angstlösern. Wenn Sie Gesprächsbedarf haben, eine Depression entwickeln oder in eine frühere Depression zurückfallen könnten, sind auch psychiatrische Praxen oder Therapeutinnen empfehlenswert. Hier sind oft Wartezeiten sehr lang, aber Sie können in der Regel einen Notfalltermin innerhalb von zwei Wochen erhalten.

 

Was zu regeln ist, wenn ein Elternteil stirbt

Organisation Beerdigung

Immer öfter bereiten sich Menschen im Alter auf die eigene Beerdigung vor und treffen Vorkehrungen mit Bestattungsunternehmen und Kirchen, um im Todesfall ihren Kindern die Regelungen zu erleichtern. Dennoch sind Sie als Kinder und Erben in erster Linie Ansprechpartner für die Beerdigung und Bestattung. 

Sie können dafür ein eigenes Bestattungsunternehmen aus dem Branchenbuch wählen, oft kooperieren Pflegeheime oder Pflegedienste aber auch mit bestimmten Beerdigungsinstituten und können Ihnen eine Empfehlung geben. Diese sind mit Trauerfällen erfahren und begleiten Sie behutsam durch die notwendigen Absprachen. In der Regel beraten sie auch zu den nun nötigen organisatorischen Dingen der Nachlassverwaltung.

Sprechen Sie mit den übrigen Familienmitgliedern darüber, welche Wünsche aus der Familie und durch den Verstorbenen zur Beerdigung geäußert wurden. Manchen hilft es, wenn sie Teil der Beerdigung sind, wie bei der musikalischen Gestaltung. Auch kann es unterschiedliche Auffassungen geben zur Frage der Grabgestaltung und auch, ob es einen Sarg oder eine Urne geben sollte. 

Nachlass verwalten und rechtliche Angelegenheiten klären

Der Nachlass besteht vor allem aus dem Auflösen des Haushaltes der verstorbenen Person, aber auch aus der Klärung der Finanzen und Auflösen weiterer rechtlicher Verbindungen wie Verträge. Durch den Tod erlöschen alle geschlossenen Verträge, jedoch müssen die Vertragspartner zeitnah informiert werden.

Dazu gehören typischerweise Abonnements von Zeitungen und Spendenmitgliedschaften, aber auch Strom, Gas und die Wohnung. Bei einigen Vertragsverhältnissen wie der Mietwohnung geht aber der Vertrag auf Sie als Erben über, obgleich Sie ein Sonderkündigungsrecht dadurch haben. Da Sie meistens für die Haushaltsauflösung noch einen Vertrag über Strom und Miete brauchen, treffen Sie hier am Besten mit den Vertragspartnern einvernehmliche Lösungen über die Kündigungszeit. Seien Sie in der Folgezeit aufmerksam, welche unbekannten Verträge noch über den Tod informiert werden müssen.

Möglicherweise benötigen Sie für den Antritt des Erbes einen Erbschein, um rechtliche Angelegenheiten zu klären. Dies ist nicht der Fall, wenn ein Testament oder eine Vorsorgevollmacht Sie zur Vertretung berechtigt. Einen Erbschein erhalten Sie beim Nachlassgericht, in der Regel ist dass das Amtsgericht, das für den Verstorbenen zuständig ist.

 

Fazit

Der Tod eines Elternteils im Erwachsenenalter ist eine emotionale und praktische Herausforderung, die individuell bewältigt werden muss. Trauer kennt keine zeitliche Begrenzung und kann zu vielfältigen Gefühlen führen, die den Alltag und den Körper beeinflussen.

Es ist wichtig, sich selbst Zeit zu geben, die eigenen Gefühle zu akzeptieren und Unterstützung zu suchen, wenn nötig. Die Organisation der Beerdigung und rechtliche Angelegenheiten müssen ebenfalls bewältigt werden. Letztendlich ist es ein Prozess der Annahme und des Loslassens, der Geduld erfordert, um sich wieder dem eigenen Leben zuzuwenden.

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