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Vorhofflimmern

Vorhofflimmern - Symptome, Behandlung, Lebenserwartung & Co

Gerade im Alter ist Vorhofflimmern eine weit verbreitete Erkrankung. Früh entdeckt und behandelt, stellt sie kaum einen Eingriff in den Alltag dar und verkürzt die Lebenserwartung nicht zwangsläufig. Unbehandelt jedoch verschlechtert sie sich zunehmend und führt dann häufig zu gravierenden Herzproblemen wie einem Herzstillstand. Viele Betroffene verspüren jedoch lange kaum Symptome, sodass die Diagnose nicht selten ein Zufallsbefund ist.

Dieser Artikel informiert Sie daher umgehend zum Thema Vorhofflimmern und seine Symptome und welche Behandlungen heute schon möglich sind.

 

Was ist Vorhofflimmern?

Unter Vorhofflimmern versteht man eine bestimmte Form von Herzrhythmusstörung, die die Vorhöfe des Herzens betrifft. Über diese verläuft der elektrische Impuls, der für den Herzschlag verantwortlich ist. Dabei ziehen sich die Vorhöfe zusammen und pumpen somit das Blut in die Herzkammern, die sich wiederum zusammenziehen und das Blut in den Kreislauf geben. Beim Vorhofflimmern ist die Weitergabe dieses Impulses jedoch gestört, sodass die Herzmuskeln sich in unkontrollierter Reihenfolge zusammenziehen. Dadurch wird das Pumpen in die Kammern abgeschwächt und transportiert so ein geringeres Blutvolumen.

In der Folge sinkt der Blutdruck und um dies auszugleichen steigt die Herzfrequenz an. Denn zu geringer Druck und zu geringer Auswurf von Blutvolumen bedeutet für den Körper auch, dass weniger Sauerstoff langsamer zu den Zellen transportiert wird. 

Diese Störung an den Vorhöfen kann auch rein temporär oder nur sporadisch auftreten. Manifestiert es sich, spricht man von Vorhofflimmern.

 

Arten von Vorhofflimmern

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie unterteilt Vorhofflimmern nach Länge des Verlaufs in fünf unterschiedliche Stadien:

  • erstmals entdecktes Vorhofflimmern
  • paroxysmales Vorhofflimmern
  • persistierendes Vorhofflimmern
  • lang anhaltend persistierendes Vorhofflimmern
  • permanentes Vorhofflimmern

Unterteilung nach Herzfrequenz

Zur Diagnostik und Therapie unterscheidet man nach Herzfrequenz zwischen einer Bradyarrhythmia absoluta, die normofrequente absolute Arrhythmie und der Tachyarrhythmia absoluta. Die Bradyarrhythmia absoluta bezeichnet eine zu langsame Herzfrequenz aufgrund des Vorhofflimmerns, die 60 Schläge pro Minute oder weniger beträgt. Die Tachyarrhythmia absoluta umfasst eine zu schnelle Herzfrequenz aufgrund des Vorhofflimmerns, die bei 100 Schlägen pro Minute oder mehr liegt. Eine normal verbleibende Herzfrequenz zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute trotz anhaltendem Vorhofflimmern bezeichnet man dann als normofrequente absolute Arrhythmie.

Unterteilung nach Ursache

Für die Wahl der medikamentösen Therapie ist entscheidend, welche Ursache dem Vorhofflimmern zugrunde liegt. Dabei unterscheidet man zwischen valvulärem und nicht-valvulärem Vorhofflimmern. Valvulär bezieht sich auf einen Defekt der Mitralklappe als Ursache, nicht-valvulär umfasst dabei alles andere. Dies ist besonders wichtig bei der Frage, ob der Einsatz von gerinnungshemmenden Medikamenten sinnstiftend und ungefährlich ist.

Einteilung nach Auslöser

Vorhofflimmern ist zuweilen nicht dauerhaft feststellbar, sondern eine Reaktion auf bestimmte Auslöser. Hier unterscheidet man zwischen vagal und Sympathikotonie ausgelöstem Vorhofflimmern, abgeleitet vom Nervus vagus und dem sympathischen Nervensystem. Vorhofflimmern, das durch den Vagusnerv ausgelöst wird, tritt oft nachts auf, während stress- oder anstrengungsbedingtem Vorhofflimmern durch das sympathische Nervensystem hervorgerufen wird.

 

Symptome bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen in Deutschland, jedoch bemerken über die Hälfte der Betroffenen die Symptome nicht oder erst spät. Meist treten sie auch in Attacken auf, sind unspezifisch und gerade im Anfangsstadium lange auch kaum spürbar. Nicht selten wird Vorhofflimmern nur durch Zufall bei einem EKG entdeckt. 

Typische Symptome

Typischerweise ist bei Vorhofflimmern die Herzfrequenz erhöht, was ein spürbares Herzklopfen ohne vorherige Anstrengung verursacht. Bisweilen fühlen Betroffene auch ein Herzstolpern, also den arrhythmischen Verlauf des Herzschlags, oder ein Herzrasen, bei dem auch phasenweise ein Puls von 160 Schlägen die Minute auftreten kann. Durch die Verbreitung von Pulsmessern in Smartwatches und Fitness-Trackern ist auch der erhöhte Puls, gerade langanhaltend und ohne Auslöser wie körperliche Betätigung oder Sport, sicht- und messbarer als Indikator.

Die verminderte Sauerstoffversorgung und das angestrengte Herz setzen die Belastbarkeit herab, sodass schon bei weniger körperlichen Anstrengung wie eine Treppe zu steigen frühe Erschöpfung und Kurzatmigkeit eintritt, begleitet von Schweißausbrüchen. Dabei fehlt häufig aufgrund der geringeren Durchblutung der für Anstrengung typische “rote Kopf”. Betroffene berichten von schnell einsetzendem Schwindel und Schmerzen in der Brust. Es kann auch zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit kommen. 

Seltene Symptome

Weitaus seltener als die Tacharrhythmie, also der beschleunigte Herzschlag, ist die Bradyarrhythmie, der verlangsamte Herzschlag. Insbesondere eine Rhythmusstörung mit verlangsamtem Herzschlag wird aber kaum körperlich gespürt. Meist deuten nur Abgeschlagenheit, schnelle Erschöpfung und Kurzatmigkeit selbst in Ruhephasen auf ein Problem hin.

 

Wann sollte man mit Vorhofflimmern zum Arzt?

Beim Verdacht auf Vorhofflimmern sollten Sie zeitnah einen Termin bei Ihrer Hausarztpraxis vereinbaren. Zwar betrifft diese Rhythmusstörung fast jeden Menschen mal im Laufe des Lebens, dennoch sollte es abgeklärt werden. Insbesondere, wenn Sie bereits Herz- oder Kreislauferkrankungen haben oder in der Familie Vorhofflimmern erhöht auftritt, ist dies notwendig. 

Ursachen von Vorhofflimmern

Hoher Blutdruck und Herzerkrankungen

Langanhaltender hoher Blutdruck kann Schäden an Gefäß- und Zellwänden verursachen und belastet das Herz zudem übermäßig. Sehr typisch ist Vorhofflimmern, aber auch Folge eines Herzklappenfehlers, meistens der Mitralklappe, die zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer liegt. Aber auch andere Herzerkrankungen, die die Weitergabe des elektrischen Impulses oder das Zusammenziehen der Herzmuskulatur beeinflussen, führen zu einer grundsätzlichen Rhythmusstörung im Vorhof- oder Kammerbereich. Die häufigsten sind das Sinusknotensyndrom und eine Kardiomyopathie. Nach operativen kardialen Eingriffen kann es ebenfalls vorübergehend zum Vorhofflimmern kommen.

Schilddrüsenüberfunktion

Eine Hyperthyreose oder Schilddrüsenüberfunktion wirkt hormonell auf den Blutdruck und die Herzzellen. Durch diese Störung im Hormonhaushalt sind Arrhythmien jeglicher Art nicht selten. Bei Behandlung der Schilddrüse verschwindet das Flimmern üblicherweise.

Intoxikation

Alkohol und andere Drogen können bei Missbrauch vorübergehendes Vorhofflimmern auslösen, da sie ein Nervengift darstellen und zudem das zentrale Nervensystem mit Reizen überfluten. Bei langanhaltender Zufuhr manifestieren sich die Herzprobleme oft und treten dann auch außerhalb der Drogenwirkung auf. 

Risikofaktoren

Risikofaktoren für Vorhofflimmern sind ebenso Risikofaktoren für fast jede andere Herzerkrankung. Besonders Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährungsweisen und Stress wirken stark auf das Kreislaufsystem und das Herz und können es nachhaltig schädigen. Entsprechend beinhaltet die Therapie von Rhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern auch eine Veränderung des Lebensstils zu herzschonenden und gesunden Routinen.

Weitere Ursachen

Fast die Hälfte der Fülle von Vorhofflimmern tritt mit unbekannter Ursache auf. Man bezeichnet diese als idiopathisch. Sie sind in der Regel gut behandelbar.

 

Therapie von Vorhofflimmern

Medikamentöse Therapie

In der Regel kommen bei Vorhofflimmern gerinnungshemmende Medikamente zum Einsatz, um eine Koagulation, also eine Verklumpung von Blut, durch die Arrhythmie zu verhindern. In einer akuten Phase von sehr bedrohlichem oder großflächigen Flimmern wird daher Heparin als Sofortmaßnahme verabreicht. Dann werden die Betroffenen längerfristig eingestellt, sofern das Vorhofflimmern chronisch bleibt oder eine Wiederholung sehr wahrscheinlich ist.

Weiterhin strebt man eine Senkung der Herzfrequenz an. Normalisiert sich diese nicht von selbst oder ist chronisch erhöht, können unter anderem Betablocker eingesetzt werden. Es gibt außerdem Antiarrhythmika gegen die Störung selbst. Da auch ein Nährstoffmangel ausschlaggebend sein kann und der Kalium- und Magnesiumspiegel im Blut von hoher Bedeutung für die reguläre Herzfunktion ist, sollte er daher bei Betroffenen von Vorhofflimmern regelmäßig kontrolliert werden.

Kardioversion

Eine Kardioversion ist ein Eingriff bei Herzrhythmusstörungen, bei dem mithilfe eines Defibrillators oder Medikamenten die Aktivität der Herzmuskelzellen wieder synchronisiert wird.

Bei der elektrischen Kardioversion geschieht dies mittels eines Strafstoßes durch einen Defibrillator. Dieser löst aus, wenn das Herz kontrahiert, sich also zusammenzieht, und unterbindet damit den unkontrollierten nächsten Impuls des Herzens. Danach sollten die Herzmuskelzellen wieder synchron die elektrische Erregung weiterleiten können. Der Eingriff geschieht grundsätzlich unter kurzzeitiger Betäubung, da der Stromstoß kurz schmerzhaft und außerdem sehr unangenehm ist.

Die medikamentöse Kardioversion hat eine etwas geringere Erfolgsrate, benötigt aber keine Sedierung und wird als angenehmer empfunden. Zudem können Betroffene die Medikamente mit sich führen und bei Bedarf einnehmen, sodass sie auch im Alltag schnellstmöglich reagieren. 

Änderung des Lebensstils

Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Zeiten der Entspannung und Ruhe sind wichtig für die regelmäßige und gesunde Herzfunktion. Jede Art von Herzerkrankung wird daher begleitet von Maßnahmen wie einer Beratung zur Ernährungsumstellung, Rehasport Kursen und Therapien zur Raucherentwöhnung. Denn auch bei guter Verträglichkeit der Medikamente ist es essentiell, das Herz nicht zusätzlich zu belasten.

 

Lebenserwartung unter Vorhofflimmern

Behandelt ist Vorhofflimmern oft kein Problem im Alltag und muss die Lebenserwartung wie auch -qualität nicht verkürzen. Es kann sich allerdings verschlimmern und zu einer schwerwiegenden, möglicherweise auch lebensbedrohlichen Herzerkrankung führen. Dies ist jedoch eher selten bei gut eingestellten Erkrankten der Fall, die auf sich und ihr Herz achten. 

 

Fazit

Vorhofflimmern ist eine verbreitete Erkrankung, besonders im Alter. Frühzeitig erkannt und behandelt, beeinträchtigt sie den Alltag kaum und verkürzt die Lebenserwartung nicht zwangsläufig. Unbehandelt kann sie jedoch zu schwerwiegenden Herzproblemen führen. Oft werden Symptome erst spät bemerkt, und die Diagnose erfolgt häufig als Zufallsbefund. Es ist wichtig, sich über Vorhofflimmern und den zugehörigen Symptome sowie die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

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